Literatur

Bachmann-Preis 2023 geht an Valeria Gordeev

Die Autorin aus Tübingen arbeitet noch an ihrem ersten Roman. Noch vor dessen Veröffentlichung gelingt ihr nun der Durchbruch. Mit ihrer Darstellung einer Putz-Neurose überzeugte sie die Jury.

Die deutsche Autorin Valeria Gordeev bei der Eröffnung der 47. Tage der deutschsprachigen Literatur. Foto: Gerd Eggenberger/APA/dpa
Die deutsche Autorin Valeria Gordeev bei der Eröffnung der 47. Tage der deutschsprachigen Literatur.

Klagenfurt (dpa) - Valeria Gordeev hat den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Mit ihrem äußerst genau beobachteten und gestalteten Text eines Mannes mit Putz-Neurose setzte sich die aus Tübingen stammende Autorin am Sonntag gegen 11 Mitbewerber bei den 47. Tagen der deutschsprachigen Literatur im österreichischen Klagenfurt durch.

Der renommierte Literaturpreis, der an die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-73) erinnert, ist mit 25.000 Euro dotiert und wird von der Stadt Klagenfurt vergeben. Voriges Jahr gewann ihn die aus Slowenien stammende und bei Wien lebende Ana Marwan.

Bei dem Wettlesen überzeugte Gordeev die Jury mit ihrer Kurzgeschichte «Er putzt». Darin seziert sie sprachlich die Putz-Neurose eines Mannes, stellt ihn jedoch nicht als klinischen Fall dar, sondern als hingebungsvollen Menschen, der sich um seine Mutter und seine Schwester sorgt. Als «Plädoyer für die Empfindlichkeit» lobte Jury-Vorsitzende Insa Wilke den Text am Sonntag.

Gordeev arbeitet seit einigen Jahren an ihrem Debütroman, der sich unter anderem mit der russischen Gegenwart auseinandersetzt. Ihre Eltern wanderten Ende der 1970er Jahre aus der Sowjetunion aus, Gordeev wurde 1986 in Tübingen geboren. Die Autorin ist auch als Illustratorin und Liedtexterin tätig.

Bei dem Literaturwettstreit lasen 12 Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz von Donnerstag bis Samstag ihre Texte vor. In der siebenköpfigen Jury saßen diesmal zwei neue Mitglieder: Die deutsche Kulturwissenschaftlerin, Journalistin und Autorin Mithu Sanyal («Identitti») und der Schweizer Literaturwissenschaftler Thomas Strässle.