Barmer: Viele Hessen müssen ohne Not ins Krankenhaus
Die Krankenkasse hat berechnet, wie häufig Eingriff auch ambulant durchgeführt werden könnten. Die gute Nachricht: Die Quote sinkt.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Viele Patienten kommen nach Auffassung der Krankenkasse Barmer ohne Not ins Krankenhaus. In Hessen könnte jede fünfte stationäre Krankenhausbehandlung in gleicher Qualität auch ambulant durchgeführt werden, behauptet die Kasse und beruft sich dabei auf den «Versorgungskompass» des Barmer Instituts für Gesundheitssystemforschung für das Jahr 2025.
«Unnötige Krankenhausbehandlungen binden kritische Ressourcen, verursachen hohe Kosten und können Patientinnen und Patienten unnötig belasten», sagte Barmer-Landeschef Martin Till der Deutschen Presse-Agentur. Als Beispiele nannte er den Grauen oder Grünen Star im Auge und das Entfernen von Hautkrebs oder Rachenmandeln.
Wie kommt das Institut auf die Zahl 19,1 Prozent - also den Anteil der angeblich verzichtbaren Krankenhausaufenthalte? Grundlage sind laut Barmer Leistungen aus dem Katalog für ambulantes Operieren sowie für hybride Eingriffe. Zusätzlich berücksichtige das Modell individuelle Faktoren wie Alter, Begleiterkrankungen oder Pflegebedürftigkeit, so ein Sprecher der Kasse.
«Das Prinzip "ambulant vor stationär" setzt sich durch»
«Auf dieser Grundlage wurde für jeden untersuchten Fall abgeschätzt, ob eine ambulante Behandlung bei gleicher Qualität realistisch gewesen wäre», so Till. Die gute Nachricht: Die Zahl der aus Sicht der Barmer unnötigen Krankenhausaufenthalte sinkt. 2019 sah die Kasse das sogenannte Ambulantisierungspotenzial in Hessen noch bei 23,5 Prozent.
«Das Prinzip "ambulant vor stationär" setzt sich durch», sagte Till. Das mache die Behandlungen nicht nur günstiger - auch Patientinnen und Patienten profitierten, «weil ambulante Behandlungsangebote bei gleicher Qualität oft besser zum individuellen Bedarf passen».