Queere Community

CSD in Hessen nach dem Terroranschlag - «Jetzt erst recht»

Nach dem Anschlag in Berlin wächst der Zusammenhalt. Trotz Bedrohungen und Schock bleibt die queere Community in Hessen laut. Mit welchem Gefühl geht man nach einem Terroranschlag auf einen CSD?

Bei vielen gebe es eine «Jetzt erst recht»-Mentalität. (Symbolbild) Foto: Andreas Arnold/dpa
Bei vielen gebe es eine «Jetzt erst recht»-Mentalität. (Symbolbild)

Darmstadt/Friedberg (dpa/lhe) - Der Anschlag beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat bei der Community in Hessen zu Bestürzung, aber auch zu Widerstand geführt. Aus dem Organisationsteam des Darmstädter CSD seien viele Menschen in Berlin dabei gewesen, sagt Jan Bambach vom CSD in Darmstadt. Um sie habe man sich nach der Nachricht über den Anschlag zunächst Sorgen gemacht. «Das war eine absolut unschöne Nacht», sagte er. 

Als dann feststand, dass es den Menschen gut gehe, habe man eine Mahnwache in Darmstadt organisiert. Zu der seien am Sonntagabend 350 Menschen gekommen. «Das hat schon mal sehr dabei geholfen zu kontextualisieren zusammen, auch ein bisschen zu verarbeiten, um zu zeigen, dass wir uns jetzt erst recht nicht verstecken werden», sagte Bambach.

Der CSD in Berlin war am Samstagabend abgebrochen worden, nachdem ein Auto am Rande der Großveranstaltung in Passanten gefahren war. Eine Frau wurde getötet, 29 weitere Menschen wurden verletzt. Am Sonntagabend wurde der mutmaßliche Täter Abdul B. bei einem Polizeieinsatz getötet.

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In Frankfurt fand der CSD in diesem Jahr bereits statt. In anderen Städten stehen die Demonstrationen aber noch an - etwa in Schlüchtern am kommenden Samstag, aber auch in Darmstadt, Bad Hersfeld und Friedberg.

«Ein CSD ist kein Safe Space»

Der Darmstädter CSD finde am 15. August unter dem Motto «Zeig dich für uns alle» statt - das Motto habe jetzt noch mal eine neue Bedeutung bekommen, sagte Bambach. «An unseren politischen Forderungen wird das erst mal nichts ändern.»

In der Community gebe es aber sehr unterschiedliche Meinungen, sagte er. «Meine ist die, dass ein CSD kein Safe Space ist. Wir sind in der Öffentlichkeit und es können sehr viele unberechenbare Dinge passieren.» Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas Schlimmes wie in Berlin passiere, sei aber sehr niedrig.

Für den CSD habe man schon vor langer Zeit ein Sicherheitskonzept erarbeitet. «Wir hatten ein Konzept, das uns sicher genug schien.» Vom Ordnungsdezernenten hätten das Organisationsteam aber am Sonntag die Nachricht bekommen, dass man sich noch mal zusammensetzen werde. «Unser Ziel ist es, maximale Sicherheit zu haben», sagt Bambach. Man habe etwas mehr als 30 Ordner und Ordnerinnen im Einsatz. 

«Wir lassen uns nicht einschüchtern»

Sonja Romeis ist im Organisationsteam des CSD in der Wetterau, wo der Christopher Street Day am 22. August in Friedberg geplant ist. «Wir sind natürlich schwer erschüttert», sagte sie nach dem Terroranschlag in Berlin. «Unsere ganzen Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Angehörigen.» 

Beim CSD in der Wetterau seien die Teilnehmer und Teilnehmerinnen im vergangenen Jahr bereits von «rechtsextremen Gegendemonstranten bedroht» worden. «Deswegen ist uns auch schon vorher bewusst gewesen, dass CSDs immer noch sehr stark bedroht werden», sagte Romeis. 

Berlin reihe sich in eine lange Reihe von queerfeindlichen Straftaten ein, «die jetzt einen Höhepunkt bekommen haben». «Wir sind sehr wütend darüber, dass das so ist», sagt Romeis. «Und auch dass die Politik nichts dagegen macht.» 

Der CSD in Friedberg werde nach aktuellem Stand stattfinden. «Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir sind weiterhin laut.» Das sagte auch Bambach: «Viele von uns haben diese "Jetzt erst recht"-Mentalität. Und da gehe ich gerne mit.»