Cyber-Experten: Deutlich mehr gefälschte E-Mails durch KI
Die Zahl gefälschter E-Mails steigt rasant. Baden-Württembergische Cyber-Experten warnen vor neuen Risiken durch die Künstliche Intelligenz und fordern mehr Aufmerksamkeit für Cybersicherheit.
Stuttgart (dpa/lsw) - Künstliche Intelligenz macht es nach Einschätzung der Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg (CSBW) deutlich wahrscheinlicher, Opfer sogenannter Phishing-E-Mails zu werden. Technische Entwicklungen erleichterten einen gezielten Cyberangriff, teilt die Agentur in ihrem Jahresbericht mit. Täuschend echte Phishing-Mails, die mit KI erstellt wurden, würden qualitativ besser und auch häufiger verschickt – und sie ließen die Erfolgsquote der Cyberkriminellen steigen.
Bei Phishing-Mails muss der Empfänger etwa einen Link anklicken und ermöglicht so den Zugang von Schadsoftware ins eigene System. «Wenn eine Cyber-Gruppierung eine solche E-Mail an 1 Million Empfänger sendet und nur 1 Promille darauf herein fällt, bleiben immer noch 1.000 Opfer, die die Gruppierung ausbeuten kann», heißt es dazu im Bericht.
«Jahr der Weichenstellung»
Laut Agentur ist es aber noch völlig unkalkulierbar, wie schnell und weitgehend die Veränderungen durch KI-Modelle voranschreiten werden. «2026 ist diesbezüglich ein Jahr der Weichenstellung», teilte die CSBW mit.
Insgesamt habe sich die Bedrohungslage im Cyberraum für öffentliche Institutionen, Unternehmen und Privatpersonen im vergangenen Jahr weiter verschärft, sagte die CSBW-Präsidentin Nicole Matthöfer.
Hochschulen, Rathäuser, Internet-Shops
So sei die Zahl der Fälle in Landkreisen, Städten und Gemeinden sowie bei Unternehmen in kommunaler Trägerschaft um fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Fälle von gefälschten Internet-Shops legten sogar um 1.230 Prozent zu, gefährdete oder offengelegte Passwörter um 230 Prozent und Phishing-Angriffe um 320 Prozent. Eine enorme Zunahme an sicherheitsrelevanten Ereignissen stellte die CSBW auch bei Hochschulen und Universitäten fest.
Mehr Sensibilität vom Sekretariat bis zu Hausspitze
Die Steigerung spiegelt aber laut Agentur nicht ausschließlich die tatsächliche Bedrohungslage wider. Cybersicherheitsvorfälle ließen sich auch besser erkennen und erfassen.
Notwendig sei aber vor allem das aufmerksame Auge bei den potenziellen Opfern von Cyberkriminellen, heißt es im Bericht: «Die Sensibilisierung für die Bedeutung von Cybersicherheit muss auf allen Ebenen, vom Sekretariat bis zur Hausspitze, vom Hausdienst bis zur IT-Abteilung, von der Pforte bis zur Leitungsebene, stattfinden.»
Die Sicherheitsagentur gibt es seit Februar 2021. Seit 2022 unterstützt sie als eigenständige Landesoberbehörde vor allem öffentliche Stellen im Kampf gegen Cyberkriminalität.