Cyberbedrohungslage seit Beginn von Ukraine-Krieg gestiegen
Wiesbaden (dpa/lhe) - Mit dem Angriff Russlands gegen die Ukraine hat sich die Cyberbedrohungslage für die Wirtschaft und öffentliche Verwaltung in Hessen nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden verschärft. Wie das hessischen Innenministerium zum Cybersicherheitsgipfel am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, sei eine deutliche Zunahme von Cyberangriffen zu verzeichnen. Beim Hessen Cybercompetencecenter (Hessen3C) seien beispielsweise von 2022 bis heute 28 Cyberattacken auf hessische Kommunen gemeldet worden, davon 15 Fälle im vergangenen Jahr.
«Die Mehrzahl der Fälle stellt niederschwelligere Angriffsformen dar, bei denen keine Daten abgeflossen sind oder Systeme komplett zum Erliegen gebracht wurden», erläuterte das Innenministerium. «Gleichwohl ist eine Zunahme an ernstzunehmenden Cyberangriffen festzustellen.»
Hessen3C hatte 2022 den Angaben zufolge insgesamt rund 3250 Beratungs- und Unterstützungsanfragen erhalten, ein Jahr zuvor waren es noch gut 1150 gewesen. In diesem Jahr verzeichnete Hessen3C bislang 1257 Anfragen (Stichtag 05. Juni). Russland hatte sein Nachbarland Ukraine im Februar 2022 überfallen.
Die Beratungsstelle Hessen3C ist beim Innenministerium angedockt. Kommunen und Unternehmen sind nicht zur Meldung von Cybervorfällen an das Land verpflichtet, können sich dort aber Rat und Hilfe holen. Hessen3C bündelt Informationen unter anderem der Polizei, des Landesverfassungsschutzes und des Nationalen Cyber-Abwehrzentrums.
Das Beratungs- und Unterstützungsangebot von Hessen3C richtet sich hauptsächlich an die Landesverwaltung und die hessischen Kommunen, aber auch kleine und mittlere Unternehmen in Hessen sowie Kritische Infrastrukturen. Ein Warn- und Informationsdienst geht unter anderem an die Landesverwaltung, rund 200 teilnehmende Kommunen sowie den kommunalen IT-Dienstleister ekom21. Bürgerinnen und Bürger erhalten Informationen zu aktuellen Cyber-Bedrohungen über die App «hessenwarn».