Ebnoutalib beendet die Leidenszeit - Wirbel um Krösche
Gerüchte um Sportvorstand Markus Krösche, ein gefeierter Stürmer und eine wackelige, junge Abwehr: Eintracht Frankfurt erlebt einen turbulenten Saisonstart in der Fußball-Bundesliga.
Berlin (dpa/lhe) - Der Name Bernd Nickel sagte Younes Ebnoutalib erst einmal nichts. «Ich bin nicht so gut im Namen merken», räumte der Dreifach-Torschütze von Eintracht Frankfurt ein. Ansonsten hätte der Stürmer wohl gewusst, dass es sich hierbei um eine Vereinslegende handelt, die 1977 ebenfalls am 1. Bundesliga-Spieltag drei Tore erzielte.
Damals hieß der Gegner 1. FC Saarbrücken und das Spiel endete 4:0. Diesmal traten die Hessen beim 1. FC Union Berlin an und mussten sich nach zwei späten Gegentoren noch mit einem 3:3 zufriedengeben. «Natürlich freue ich mich über meine drei Tore, aber schöner wäre es gewesen, wenn wir am Ende noch gewonnen hätten», sagte Ebnoutalib.
Der 22-Jährige dürfte vom temporeichen Power-Fußball profitieren, den Trainer-Rückkehrer Adi Hütter durchsetzen will.
Deutlich stabiler muss hingegen die Defensive werden. Schon in der Vorsaison wackelte die Abwehr gewaltig. Gegen Union war Kapitän Robin Koch (30) der einzig erfahrene Akteur in der Viererkette - und gut zehn Jahre älter als Keita Kosugi (20), Jeremiaha Maluze (21) und Elias Baum (20). Torhüter Noah Atubolu war bei seinem Debüt im Eintracht-Trikot bei allen drei Gegentoren chancenlos. Lilian Brassier konnte die löchrige Abwehr stabilisieren - der Profi von Stade Rennes soll kurz vor Unterschrift in Frankfurt stehen.
Das sagt Krösche zu den Trennungsgerüchten
Gut möglich, dass das nicht der einzige Transfer bis zum Ende der Wechselperiode bleibt. «In den letzten Tagen passiert ja immer bisschen was», kündigte Sportvorstand Markus Krösche an, ohne Details zu nennen. Der 45-Jährige sprach freilich über neue Spieler, dabei ist er es, um den es momentan die lautesten Gerüchte gibt.
Wie unter anderem die «Bild»-Zeitung berichtet, könnte Krösches Ära bei den Hessen schon im September enden. Das Medium nannte nicht nur die verkorkste Vorsaison, sondern auch Unstimmigkeiten mit Hütter und den angeblichen Flirt mit AC Mailand als mögliche Gründe.
Hütter: «Sehr ordentliches» Verhältnis mit Krösche
«Wir sprechen über Fußball», antwortete Krösche ausweichend auf Fragen der Journalisten nach dem Spiel bei Union. Auch Hütter wollte die Berichte nicht groß kommentieren, beschrieb das Verhältnis als «sehr ordentlich». Immerhin äußerte sich Frankfurts Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Mathias Beck gegenüber dem «Kicker» etwas deutlicher.
«Fakt ist, er hat einen laufenden Vertrag, sich vor zwei Monaten klar zu Eintracht Frankfurt bekannt und befindet sich mit seinem Team auf der Zielgeraden des Transferfensters. Es besteht also kein Anlass, über die Zukunft von Markus Krösche zu spekulieren», stellte Beck klar. Am Mittwoch steht eine turnusmäßige Aufsichtsratssitzung an. «Selbstverständlich wird es um alle Themen des Sommers, auch um die sportlichen gehen», erklärte Beck weiter.
Ebnoutalib sucht den Spielball
Klingt erst einmal nicht nach einem Abschied. Und doch ließ Krösches ausweichende Antwort viel Raum für Spekulationen. Ist der 45-Jährige vielleicht kein Frankfurter mehr, wenn Ebnoutalib in den nächsten Wochen weiter auf Torejagd geht?
Für Ebnoutalib war der Dreierpack gegen Union jedenfalls ein wichtiger Schritt nach einer schwierigen Zeit. Der Stürmer war im Januar von der SV Elversberg zu seinem Heimatverein nach Frankfurt gewechselt und traf gleich in seinem ersten Spiel gegen Dortmund. Eine Woche später zog er sich einen Innenbandriss zu. Als der 22-Jährige im März wieder fit war, kam er unter dem damaligen Trainer Albert Riera nicht zum Einsatz.
Der gelungene Auftakt war für Ebnoutalib daher auch mental wichtig. «Es gibt einem Selbstbewusstsein. Trotzdem weiter Gas geben. Nicht darauf ausruhen», formulierte der Offensivspieler sein Saisonziel. Zunächst wollte er den besonderen Moment aber genießen - und den Spielball mitnehmen. «Ich habe nachgefragt. Ich weiß gerade nicht, wo er ist», sagte Ebnoutalib und suchte.