Metallindustrie

Edelmetallbranche wegen hoher Goldnachfrage auf Hochzeiten

Das Ende der Corona-Beschränkungen etwa im Einzelhandel und die Suche nach «sicheren Häfen» bei Investitionen lassen die Edelmetallbranche frohlocken. Das Recycling von Gold, Silber und Co. bekommt eine wachsende Bedeutung. Doch die Industrie verbucht auch Rückschläge.

Ringe an Händen. Foto: Monika Skolimowska/dpa/Symbolbild
Ringe an Händen.

Pforzheim (dpa) - Ob als Geldanlage, in Form von Trauringen und Schmuck oder in der Industrie: Die Menschen wollen mehr Gold, Silber und Co., die Edelmetallindustrie ist auch 2022 auf Wachstumskurs gewesen. «Die deutsche Edelmetallwirtschaft war im Bereich der Edelmetall-Investment-Produkte durchgängig voll ausgelastet und konnte die Nachfrage kaum ausreichend befriedigen», teilte die Fachvereinigung Edelmetalle am Donnerstag in Pforzheim mit. «Die weltwirtschaftlichen Unsicherheiten und Inflationsängste beflügelten das Geschäft, stehen nun aber unter dem Einfluss steigender Zinsen», erklärte Thomas Weiß, Geschäftsführer der Heimerle + Meule GmbH.

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Für das laufende Jahr bleibt die Branche aber vorsichtig optimistisch. Die industrielle Nachfrage halte sich auf stabilem Niveau, sagte Weiß laut Mitteilung. Und trotz höherer Zinsen bei Spareinlagen sorgten anhaltend hohe Inflationsdaten, geopolitische Risiken und die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten für eine hohe Nachfrage nach Investmentprodukten als Wertanlage.

«Der positive Trend der Nachfrage aus dem zweiten Halbjahr 2021 nach Schmuck und Trauringen setzte sich auch 2022 fort», sagte Weiß. Nach Auslaufen der Corona-Maßnahmen habe sich die Nachfrage im Schmuckeinzelhandel erhöht, zudem habe es Nachholeffekte etwa bei Trauringverkäufen gegeben. Je nach Qualität sei der Absatz um 5 bis 17 Prozent gestiegen. In der Zahnmedizin sei der Trend zum Einsatz edelmetallfreier Materialien ungebrochen. Der Absatz bei edelmetallhaltigen Legierungen habe sich in den letzten vier bis fünf Jahren nahezu halbiert.

Weltweit sei die Nachfrage nach Gold 2022 um 18 Prozent auf 4741 Tonnen gestiegen, was dem höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren entspreche. Die größten Märkte in China und Indien seien geschrumpft. «Dies zeigt, wie deutlich die Nachfrage in den anderen Märkten, so auch in Deutschland anstieg.»

Die Nachfrage nach Investmentprodukten habe um 10 Prozent zugelegt, jene nach Goldbarren und -münzen um 2 Prozent. Den größten Anstieg verzeichneten der Fachvereinigung zufolge Goldkäufe der Zentralbanken mit einem Plus von 152 Prozent. Vor allem Zentralbanken in Schwellenländern inklusive China und der Türkei schichteten massiv ihre Devisen in das Edelmetall um, erläuterte Weiß.

Angesichts der weltweit wachsenden Edelmetallnachfrage komme dem Recycling von Gold, Silber und den Metallen der Platingruppe eine wachsende Bedeutung zu, erläuterte York Tetzlaff, Geschäftsführer des Branchenverbandes Fachvereinigung Edelmetalle. «Die industriellen Anwendungsgebiete von Edelmetallen sind vielfältig.» Sie würden etwa in Generatoren für Windkraftanlagen, in Solarpanels, Elektromotoren für E-Autos und für die Wasserstoffkatalyse genutzt.