«Rhein-Main-Link»

Erdkabelprojekt soll Windstrom nach Hessen bringen

Über neue, starke Stromleitungen soll künftig immer mehr Windstrom aus dem Norden Deutschlands nach Süden fließen. Ein Großvorhaben ist der sogenannte Rhein-Main-Link.

Ein Bauarbeiter überwacht das Einziehen von einem Gleichstrom-Erdkabel. Foto: Carsten Rehder/dpa/Symbolbild
Ein Bauarbeiter überwacht das Einziehen von einem Gleichstrom-Erdkabel.

Dortmund (dpa) - Ein weiteres großes Erdkabelprojekt soll künftig klimaneutral erzeugten Windstrom aus der Nordsee Richtung Süden transportieren. Unter der Bezeichnung «Rhein-Main-Link» ist eine aus mehreren Kabeln bestehende Verbindung zwischen Niedersachsen und Hessen geplant, wie der Übertragungsnetzbetreiber Amprion am Mittwoch in Dortmund mitteilte. Als Startregion ist in Niedersachsen der Bereich Rastede, Wiefelstede, Ovelgönne, Westerstede vorgesehen. Die Kabel sollen an vier Orten in Südhessen enden. Der genaue Verlauf der Trasse steht noch nicht fest. Weitere große Erdkabelprojekte von Nord nach Süd tragen Bezeichnungen wie A-Nord, SuedLink und SuedOstLink.

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Beim Projekt «Rhein-Main-Link» unter Federführung von Amprion sollen vier Erdkabel-Systeme in einem gemeinsamen «Energiekorridor» über 500 Kilometer durch drei Bundesländer gebündelt werden. «Wir erhoffen uns dadurch insbesondere einen geringeren Eingriff in Natur und Landschaft», sagte Projektleiter Dominik Stunder. «Wir beanspruchen zudem weniger Flächen und sparen letztlich auch Zeit und Aufwand, indem wir gleichzeitig bauen.»

2033 soll das erste System in Betrieb genommen werden. Die Kosten für alle vier Systeme zusammen werden nach Angaben eines Sprechers bislang auf rund 15 Milliarden Euro geschätzt. «Der Rhein-Main-Link ist eines der zentralen Netzausbauprojekte, um Deutschland bis 2045 klimaneutral mit Energie zu versorgen», hieß es.

Die Leitungen sollen bis zu acht Gigawatt Leistung transportieren und damit laut Amprion rein rechnerisch den Energiebedarf von rund acht Millionen Menschen decken können. Profitieren sollen auch Unternehmen. «Durch die Dekarbonisierung industrieller Prozesse sowie mehr Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen erhöht sich der Energiebedarf im Rhein-Main-Gebiet enorm», hieß es. Hinzu komme ein steigender Leistungsbedarf von Rechenzentren.

Für das erste Projekt, das bei Bürstadt (Hessen) enden soll, gibt es bereits eine gesetzliche Grundlage. Laut Amprion wird die Bundesnetzagentur dafür bis Ende November 2023 einen fünf bis zehn Kilometer breiten Raum für die spätere Erdkabeltrasse zur Diskussion stellen, den sogenannten Präferenzraum. «Sobald ein Entwurf des Präferenzraums vorliegt, werden wir in den Regionen vor Ort über mögliche Leitungsverläufe informieren», sagte Stunder. «Ein frühzeitiger und kontinuierlicher Dialog ist uns wichtig.»

Bis Ende Juni 2024 sollen Planfeststellungsverfahren für alle vier Vorhaben begonnen haben. Darin werde der konkrete Leitungsverlauf innerhalb des Präferenzraums festgelegt. Die anderen Kabelprojekte sollen in Hessen in Marxheim, Kriftel und in einem «Suchraum Ried» enden.

Mit Gleichstrom lassen sich große Energiemengen über weite Entfernungen verlustarm transportieren wie etwa Strom von Windanlagen auf See, sogenannten Offshore-Anlagen. Je Verbindung sind zwei Kabel nötig. Ein Kabel hat nach Angaben von Amprion einen Durchmesser von rund 20 Zentimetern. Sie sollen den Strom mit einer sehr hohen Spannung von 525.000 Volt transportieren. Zum Vergleich: Im aktuellen Höchstspannungsnetz wird Strom mit einer Spannung von 220.000 oder 380.000 Volt transportiert. An den Ein- und Ausspeisepunkten der Leitungen sind sogenannte Konverteranlagen nötig, die den ankommenden Wechselstrom in Gleichstrom umwandeln und umgekehrt.