Experten sehen Audi in Neckarsulm noch stärker unter Druck
Audi will in den USA ein Werk bauen. In Deutschland ist der Standort Neckarsulm ohnehin in Bedrängnis. Diese Folgen sehen Autoexperten für den Standort in Baden-Württemberg.
Neckarsulm (dpa/lsw) - Autoexperten sehen in dem angekündigten Bau eines Audi-Werks in den USA keine guten Nachrichten für den Standort in Neckarsulm. Wenn das Werk in den USA so komme, sei man in Neckarsulm noch stärker unter Druck, sagte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Für Neckarsulm werde die Lage sehr schwer, meint zudem der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.
Hintergrund ist der geplante Bau eines neuen Audi-Werks im US-Bundesstaat Georgia mit rund 4.500 Arbeitsplätzen. Audi-Chef Gernot Döllner hatte das milliardenschwere Vorhaben bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump angekündigt und Trump für dessen Unterstützung gedankt.
Das Audi-Werk in Neckarsulm mit über 15.000 Beschäftigten steht indes wegen der VW-Krise - Audi ist ein Tochterunternehmen von Volkswagen - und Sparplänen auf der Kippe. Bis Ende Juni 2027 soll der Standort ein neues Konzept vorlegen.
Umverteilung an Produktionsstandorten erwartet
Sollte das Werk in den USA wie angekündigt gebaut werden, würde dies zu einer Umverteilung innerhalb der Produktionsstandorte von Audi führen, sagte Bratzel. Da stelle sich dann die Frage, welche Standorte am effizientesten seien - und in Deutschland seien die Kosten vergleichsweise hoch. Das Werk am Audi-Hauptsitz in Ingolstadt werde man nicht dichtmachen. «Dann redet man eben über Neckarsulm», sagte Bratzel. Auch Dudenhöffer rechnete in der Folge mit Bewegung zwischen den Produktionsstandorten - nicht zugunsten von Neckarsulm.
Die Experten sahen auch den Auftritt Döllners kritisch. Dieser belaste das Image von Audi, sagte Bratzel. Dudenhöffer bezeichnete den Auftritt als «äußerst unglücklich». In den USA bringe dieser keine Verkäufe und in Europa eher weniger, so Dudenhöffer.