Falsche Polizisten: Anklage nach Festnahme mit Geldtüte
Mit einer Geldtüte verlässt ein junger Mann die Wohnung einer Seniorin – kurz darauf klicken die Handschellen. Nun soll er sich wegen bandenmäßigen Betrugs vor Gericht verantworten.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Nach dem Anruf eines falschen Polizisten wurde vor einem halben Jahr in Wiesbaden ein junger Mann festgenommen - nun klagt die Staatsanwaltschaft den 22-Jährigen wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs an. Es bestehe der Verdacht, dass er Mitglied einer aus dem Ausland agierenden Betrügerbande gewesen sei und in Deutschland eine führende Rolle eingenommen habe, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit.
Der Bande könnten Taten an mehreren Orten Deutschlands zugeordnet werden, von Juni bis Dezember 2025 soll sie Menschen unter anderem mit Anrufen von falschen Polizeibeamten um rund 680.000 Euro betrogen haben.
Der Angeklagte wurde im Dezember 2025 festgenommen, als er mit einer mit 245.000 Euro gefüllten Tüte die Wohnung einer älteren Frau verließ, die zuvor telefonisch von falschen Polizisten unter Druck gesetzt worden war. Ermittler einer Behörde in einem anderen Bundesland hatten den Polizisten damals den entscheidenden Hinweis gegeben, dass in Wiesbaden die Übergabe einer hohen Bargeldsumme an die Täter bevorstehe. Der 22-Jährige aus dem Raum Dormagen sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Wann der Prozess am Landgericht Wiesbaden beginnt, steht bislang nicht fest.