Tod im Regionalexpress

Gedenktafel für getöteten Zugbegleiter: Was sie leisten kann

Der Gewalttod eines Schaffners sorgte bundesweit für Entsetzen. Künftig erinnert ein Ort in Mannheim an den 36-Jährigen. Für einen Soziologen liegt darin vor allem eine öffentliche Botschaft.

Gemeinsam mit der Familie von Calar will die Bahn man einen dauerhaften Mahn- und Gedenkort einrichten. (Archivbild) Foto: Wolfgang Jung/dpa
Gemeinsam mit der Familie von Calar will die Bahn man einen dauerhaften Mahn- und Gedenkort einrichten. (Archivbild)

Mannheim (dpa) - Die geplante Gedenktafel für den getöteten Zugbegleiter Serkan Calar kann nach Einschätzung des Soziologen Thorsten Benkel das Leid der Hinterbliebenen nur begrenzt lindern. Für die Angehörigen sei der Tod «aus einem völlig nichtigen Anlass» wie einer Ticketkontrolle schwer zu verkraften, sagte der Wissenschaftler der Universität Passau der Deutschen Presse-Agentur. Die Tafel, die am Freitag (18.9.) im Mannheimer Hauptbahnhof enthüllt wird, könne aber öffentlich ein Zeichen setzen und Anteilnahme zeigen.

Calar (36) war Anfang Februar nach einem Angriff eines Fahrgastes ohne Ticket in einem Regionalexpress nahe Landstuhl (Westpfalz) an einer Hirnblutung gestorben. Der Täter (26) wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Warum Mannheim?

Mannheim war Dienstort von Calar. Der Alleinerziehende hinterließ zwei minderjährige Kinder. Die Tat sorgte bundesweit für Entsetzen und löste eine Debatte über mangelnde Sicherheit in Zügen aus.

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Das Urteil wegen Körperverletzung mit Todesfolge ist noch nicht rechtskräftig. (Archivbild) Foto: Boris Roessler/dpa
Das Urteil wegen Körperverletzung mit Todesfolge ist noch nicht rechtskräftig. (Archivbild)

Solche Gedenktafeln seien in Deutschland nicht sehr häufig, sagte Benkel. Er verwies auf den Bahnhof in Passau, wo eine Tafel an zwei 1993 getötete Polizisten erinnert. Das Ereignis sei so lange her, dass kaum noch jemand etwas damit anfangen könne. Trotzdem könne die Tafel das Vergessen zumindest symbolisch aufhalten.

Auch in Mannheim könne die Tafel Reisenden sagen: «Das ist passiert, da ist jemand gestorben.» Entscheidend sei, dass Calar nicht eines natürlichen Todes oder beim Unfall starb, sondern im Dienst, meinte der in der Pfalz geborene Soziologe. «Damit wird sichtbar, dass die Bahn und andere Beteiligte den Tod als besonderen Einschnitt wahrnehmen.» Die Sinnlosigkeit wiege besonders schwer: «Da ist einer, der schwarz fährt, und dafür muss ein anderer sterben.»

Fassungslosigkeit über diesen Tod

Eine Gedenktafel könne Angehörigen helfen, den Gestorbenen und seinen Tod einzuordnen. Sie mache deutlich, dass Calar «seine Pflicht getan» habe, sagte Benkel. Wichtig sei die öffentliche Botschaft: «Die Bahn und die Öffentlichkeit teilen sozusagen die Fassungslosigkeit über diesen Tod.»

Eine nachhaltige gesellschaftliche Wirkung erwartet der Soziologe nicht. Die breite Öffentlichkeit nehme solche Fälle vor allem durch Medien und einen Gerichtsprozess wahr. Die Wirkung einer Tafel sei dagegen «flüchtig». Eine moralische Botschaft könne der Fall ohnehin kaum vermitteln: «Zur Verurteilung der Tat braucht es keine Tafel. Jeder, der davon hört, wird sagen: Das ist unentschuldbar.»