Sexualisierte Gewalt

Haftstrafe für Fußballtrainer wegen Missbrauchs gefordert

Der 28-Jährige soll jahrelang Jungen sexuell missbraucht haben - in dem Prozess hat er ein Geständnis abgelegt. Nun haben sein Verteidiger und die Staatsanwältin das Wort.

In dem Prozess gegen einen Fußballtrainer wurden die Plädoyers gehalten. (Archivbild) Foto: Boris Roessler/dpa
In dem Prozess gegen einen Fußballtrainer wurden die Plädoyers gehalten. (Archivbild)

Frankfurt/Eschborn (dpa/lhe) - In dem Prozess gegen einen ehemaligen Jugend-Fußballtrainer im Main-Taunus-Kreis wegen des sexuellen Missbrauchs eines Kindes sowie mehrerer Jugendlicher hat die Staatsanwältin eine Haftstrafe von achteinhalb Jahren beantragt. Dabei solle der kokainabhängige Mann über einen gewissen Zeitraum in einer Entziehungsanstalt untergebracht und dort therapiert werden, sagte die Anklagevertreterin im Frankfurter Landgericht.

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Der Rechtsanwalt des 28-Jährigen plädierte für eine Haftdauer von höchstens fünf Jahren und neun Monaten, inklusive einer Therapiezeit von mindestens zwei Jahren. Das Urteil soll an diesem Freitag verkündet werden, dem 29. Geburtstag des Angeklagten.

Reue im letzten Wort

Der schlanke Mann mit den dunklen Haaren hörte sich die Plädoyers größtenteils mit gesenktem Kopf an. Als die Rechtsanwältin einer der mutmaßlich missbrauchten Jungen zu ihm sagte: «Er hat zu ihnen aufgeblickt, sie waren der tolle Trainer», begann er zu weinen. Er könne «nicht in Worte fassen, wie sehr es mir leidtut», sagte er in seinem letzten Wort, das allen Angeklagten nach den Plädoyers und vor der Verkündung des Urteils zusteht.

Seit fast einem Jahr sitzt er in Untersuchungshaft, zum Prozessauftakt gestand er die Taten zum großen Teil. Die Staatsanwältin machte in ihrem Plädoyer jedoch keinen Hehl daraus, dass sie ihm seine Erklärung nicht abnahm, er habe «in einer Blase» gelebt und nichts von dem Widerstand der Jungen bemerkt. Sein Vorgehen sei «lehrbuchmäßig» gewesen, sagte sie. Zunächst habe er Vertrauen aufgebaut, dann die Jungen von ihrem Umfeld emotional abgegrenzt, sie beschenkt, berührt und schließlich missbraucht. 

Missbrauch im Auto

Insgesamt wirft ihm die Anklage den Missbrauch von fünf Jungen im Alter zwischen 13 und 16 Jahren in den Jahren 2019 bis 2024 vor. Er soll sie im Rahmen seiner Tätigkeit als Fußballtrainer kennengelernt und etwa im Auto oder der Wohnung eines Freundes in Eschborn missbraucht haben. Einige von ihnen soll er zuvor mit Drohungen dazu gezwungen haben, Kokain zu nehmen.