Hessens Polizei fordert weniger Einsatzzeiten beim Fußball
In Hessen kämpfen Vertreter von Vereinen, Kommunen, Fanprojekten und der Polizei seit 2022 für mehr Sicherheit im Fußball. Der Polizeigewerkschaft reichen die bisherigen Ergebnisse nicht.
Offenbach (dpa/lhe) - Die hessische Gewerkschaft der Polizei hat anlässlich der vierten Verbundtagung der «Stadionallianzen Hessen» eine kritische Bilanz gezogen. Es müsse künftig «stärker sichtbar werden, welche konkreten Maßnahmen der Stadionallianzen zu welchen Veränderungen führen. Entscheidend ist nicht eine möglichst positive Außendarstellung, sondern eine belastbare Wirkungskontrolle», heißt es in einer Mitteilung der GdP.
Nötig seien aus Sicht der Polizei «nachvollziehbare Ziele, eine regelmäßige Auswertung der Maßnahmen sowie Kennzahlen etwa zu Polizeieinsatzstunden, Verletzten, Straftaten, gefährlicher Pyrotechnik, Ordnungsdienstbelastung und wiederkehrenden Konfliktlagen».
Die Antwort auf problematische Spiele könne nicht darin bestehen, jedes Wochenende noch mehr Polizeikräfte einzusetzen. «Polizei ist keine unendliche (Personal-) Ressource. Prävention muss vor Polizeieinsatz kommen», sagte GdP-Chef Jens Mohrherr.
135 Straftaten in der Vorsaison
In Hessen bestehen derzeit sechs Stadionallianzen im Umfeld des Bundesligisten Eintracht Frankfurt, des Zweitligisten Darmstadt 98, des Drittligisten SV Wehen Wiesbaden sowie der Viertligisten Kickers Offenbach, FSV Frankfurt und KSV Hessen Kassel.
Zweck ist ein intensiver Dialog und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Vereinen, den Kommunen, der Polizei und Fanprojekten. Der Verbund sei aber «weder Ersatz für konsequentes Einschreiten noch ein Ersatz für professionelle Sicherheitsstrukturen», sagte Mohrherr.
In der Saison 2025/26 wurden bei den insgesamt 138 Heimspielen dieser sechs Vereine bei 40 Partien Störungen und bei vier Begegnungen gewalttätige Aktionen registriert. Insgesamt wurden 135 Straftaten und 594 Ordnungswidrigkeiten erfasst, 25 Menschen verletzt, darunter sechs Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte.
Hinzu kamen 90.000 Einsatzstunden der hessischen Polizei und mehr als 18.000 Stunden der Bundespolizei. Mohrherr fordert daher professionelle Ordnungsdienste, eine funktionierende Sicherheitsinfrastruktur, verbindliche Sicherheitskonzepte für Risiko- und Hochrisikospiele sowie wirksame Prävention. «Wir wollen volle Stadien und friedliche Fußballfeste. Aber Sicherheit darf nicht dauerhaft auf dem Rücken unserer Kolleginnen und Kollegen organisiert werden», sagte der GdP-Chef.