Streit um Gesundheitsreform

Hessische Kassenärzte halten weniger Apotheken für möglich

Der Verband der hessischen Kassenärzte nennt es selbst einen «radikalen Vorschlag»: den Verzicht auf viele Apotheken. Dessen Verband sieht darin aber keine kluge Reformidee.

Aus Sicht der Kassenärzte ließe sich die Medikamentenversorgung über andere Wege regeln. (Symbolbild) Foto: Thomas Frey/dpa
Aus Sicht der Kassenärzte ließe sich die Medikamentenversorgung über andere Wege regeln. (Symbolbild)

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - In der Diskussion um die Gesundheitsreform stellt die Kassenärztliche Vereinigung in Hessen die aktuelle Zahl der Apotheken infrage. Stattdessen könnten etwa Abgabestellen für Arzneimittel in Drogerien eingerichtet oder auch Ärzten erlaubt werden, Medikamente abzugeben, teilten die KV-Vorstandsvorsitzenden Frank Dastych und Armin Beck in Frankfurt mit. Auch der Online-Versandhandel werde immer wichtiger. Dadurch ließe sich viel Geld einsparen.

Der Hessische Apothekerverband sprach dagegen von einem «gefährlich verkürzten Blick» und widersprach: «Wer Apotheken im Kern als Abgabestellen für Packungen beschreibt, blendet zentrale Versorgungsleistungen vollständig aus.» Ende 2025 gab es in Hessen laut Landesapothekerkammer noch rund 1270 Apotheken.

«Wenn wir schon alles auf den Kopf stellen, dann sollten wir auch radikale Ideen zulassen», meinten die KV-Vorstände. So sollten pro 250.000 Einwohner eine Regionalapotheke mit einem 24-Stunden-Fahrdienst ausreichen.

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Apotheker: «Fahrdienst nicht ausreichend»

Der Apothekerverband sieht das komplett anders. Die Apotheken prüften beispielsweise alle Verordnungen der Arztpraxen, könnten Wechsel- und Nebenwirkungen erkennen und die Patienten zur sicheren Anwendung beraten. Außerdem stellten sie Arzneimittel individuell her — etwa Dosierungen für Säuglinge oder Krebsmedikamente. 

«Natürlich müssen wir über Weiterentwicklung sprechen. Aber wer ernsthaft glaubt, Apotheken ließen sich durch Versandhandel, Fahrdienste, Drogerie-Abgabestellen und einige Regionalapotheken ersetzen, verwechselt Arzneimitteltherapiesicherheit mit Paketlogistik», teilte er auf Anfrage mit. «Das ist nicht Reform, sondern Versorgungsausdünnung auf dem Rücken der Patientinnen und Patienten.»