Kultur

Hessischer Filmpreis für «I'll be gone in June»

Mit einer deutlich reduzierten Veranstaltung hat Hessen Filme und Kinos ausgezeichnet. Der Kulturminister versprach für 2027 wieder mehr Platz.

Dieses Jahr waren deutlich weniger Gäste geladen. Foto: Florian Wiegand/dpa
Dieses Jahr waren deutlich weniger Gäste geladen.

Frankfurt (dpa) - USA, Ukraine, Iran: Beim Hessischen Film- und Kinopreis wurden mehrere Filme gewürdigt, die einen Blick auf Brennpunkt-Länder werfen. Der Film «I'll be gone in June» von Katharina Rivilis wurde als bester Spielfilm ausgezeichnet. Es geht darin um die 16-jährige Franny, die in der Zeit um den 11. September 2001 als Austauschschülerin nach New Mexiko, USA kommt.

«Persönliche Erinnerung, historische Zäsur und jugendliche Sehnsucht verschmelzen zu einem Kinoerlebnis von großer sinnlicher Kraft», teilte die Jury zur Begründung mit. Das Vorhaben habe sich ein bisschen angefühlt «wie eine Expedition zum Mars», sagte Rivilis. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. 

«Und der Krieg hat sie zu Soldaten gemacht»

Die Auszeichnung für den besten Dokumentarfilm bekam Andrzej Klamt für «Sieben Kreise der Hölle». «Darin verdeutlicht der Regisseur eindrücklich und erschütternd die grausame Realität des Ukraine-Krieges», hieß es in der Mitteilung. Auch dieser Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.

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Er wollte, dass der Film berühre, sagte Klamt, «auch uns berührt, die wir in Frieden und Freiheit leben». Seine Protagonisten hätten normale Berufe. «Und der Krieg hat sie zu Soldaten gemacht.» An die Zuschauerinnen und Zuschauer gerichtet, sagte er: «Ich bitte Sie, genau hinzuschauen und nicht den Lügen und den Verdrehungen auf den Leim zu gehen, wer Opfer und wer Täter ist.»

Welche weiteren Preise und Auszeichnungen gab es?

5.000 Euro für das beste Drehbuch gingen an «Brennende Haut» von Behrooz Karamizade und Sanaz Ghotb. Das Drehbuch eröffne eine seltene Perspektive, hieß es von der Jury. «Statt das politische System des Iran zum alleinigen Zentrum der Geschichte zu machen, erzählt das Drehbuch von einem Menschen, der ums Überleben kämpft.» Anna Schoeppe, Geschäftsführerin von HessenFilm, sagte, die Spannung entsteht aus den inneren Konflikten der Figuren und den Konsequenzen ihrer Entscheidungen.

Als bester Kurzfilm wurde «Bleifrei 95» ausgewählt, als bester Hochschulabschlussfilm «Blut und Wasser». Der Nachwuchspreis ging an Regisseur und Drehbuchautor Joscha Bongard aus Kassel. Mit dem Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption wurde der Film «Heimsuchung - Eine Jahrhundertgeschichte» ausgezeichnet. 

Mit dem Kinopreis, der an Betreiber von Filmtheatern verliehen wird, wurden dieses Jahr 21 gewerbliche Kinos mit insgesamt 177.000 Euro sowie 10 nicht gewerbliche Kinos mit zusammen 38.000 Euro gefördert.

Kleinere Veranstaltung, weniger Gäste

Die Preise wurden im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt verliehen. Anders als in den Vorjahren gab es aus Spargründen keine festliche Gala in der Alten Oper. Statt mehrere Hundert Gäste waren es dieses Jahr etwa 130. Aus dem Kulturministerium hieß es dazu: «Auf eine Gala wurde in diesem Jahr verzichtet, um die Preisgelder und Filmförderung ohne Kürzungen erhalten zu können.»

Hessens Kulturminister Timon Gremmels (SPD) machte am Ende der Verleihung ein Versprechen. «So schön es hier ist, ich finde, Film braucht auch Raum und Platz», sagte er. «Wir finden eine größere Location. Das sage ich schon mal zu.»