Jugendbeirat wirbt für friedlichen Protest am Samstag
«Sie sind es leid, dass über ihre Zukunft gesprochen wird, ohne sie wirklich einzubeziehen»: Wie der Landesjugendbeirat zu den «Gen-Z»-Demos steht und warum er vor vorschneller Skandalisierung warnt.
Stuttgart (dpa/lsw) - Mit Blick auf die für Samstag geplanten Demonstrationen wünscht sich der Landesjugendbeirat Baden-Württemberg «ein starkes Zeichen für eine lebendige demokratische Protestkultur». Die angekündigten Demos dürften nicht pauschal problematisiert werden, heißt es in einer Stellungnahme.
«Wer friedlichen Protest vorschnell zum Sicherheitsproblem erklärt, verfehlt den Kern unserer Demokratie», sagte der Vorsitzende Abdi Ahmed laut einer Mitteilung. «Dass aus Teilen der demokratischen Mitte bereits Demonstrationsverbote ins Spiel gebracht werden, halte ich für ein fatales Signal.» Natürlich müssten konkrete Gefahren ernst genommen werden, so Ahmed. «Aber pauschale Verdächtigungen und vorschnelle Verbotsforderungen sind keine Antwort auf junge Menschen, die ihre Zukunft mitgestalten wollen.»
«Junge Menschen sind nicht politikverdrossen»
Junge Menschen dürften nicht erst dann gehört werden, wenn sie auf der Straße stehen, fordert das 2025 gegründete Gremium, das beim Kultusministerium angesiedelt ist und die Interessen von Menschen zwischen 14 und 27 Jahren vertreten soll. Zu oft würden politische Entscheidungen getroffen, deren langfristige Folgen junge Menschen besonders tragen, ohne dass deren Perspektiven ausreichend berücksichtigt würden.
«Junge Menschen sind nicht politikverdrossen», erklärte die stellvertretende Vorsitzende Ela Kaya. «Sie sind es leid, dass über ihre Zukunft gesprochen wird, ohne sie wirklich einzubeziehen.» Wenn Milliardenfragen entschieden werden - ob bei Bildung, Klimaschutz oder den Investitionen von morgen - müsse auch gefragt werden, welche Folgen das für die nächste Generation habe.
Zu den Protesten am Samstagnachmittag ruft eine Initiative namens «Gen Z regelt» im Netz auf. Nach Angaben auf der Internetseite sind Demonstrationen unter anderem in Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg und Ulm geplant. Gewalt lehnt die Gruppe ab. Dennoch befürchten manche, dass es Ausschreitungen wie bei ähnlichen Protesten etwa in Frankreich geben könnte.