Kloster Konradsdorf öffnet für Besucher
Bedeutsame Bauten aus der Stauferzeit finden sich in Hessen an mehreren Standorten. Mit Landesmitteln ist jetzt ein Zeugnis romanischer Architektur in der Wetterau wieder für die Besucher herausgeputzt worden.
Ortenberg (dpa/lhe) - Einen Eindruck von romanischer Baukunst aus der Stauferzeit und mittelalterlichem Klosterleben können sich die Besucher des früheren Klosters Konradsdorf bei Ortenberg verschaffen. Nach einer umfassenden denkmalgerechten Instandsetzung sind die ehemalige Klosterkirche und das Propsteigebäude jetzt wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. «Die Klosterkirche und das anschließende Propsteigebäude gehören zu den schönsten romanischen Bauwerken in Hessen und sind herausragende Beispiele für die reiche Geschichte und Architektur Hessens», erklärte Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) anlässlich der Wiedereröffnung.
In der Klosterkirche seien bemerkenswerte Details erhalten geblieben, wie Teile des rötlichen Wandverputzes und Reste von Wandmalereien. Das Land Hessen habe seit 2016 rund sechs Millionen Euro investiert, um die Anlage zu erforschen, die historischen Gebäude denkmalgerecht instandzusetzen, die Außenanlagen herzurichten und eine neue Dauerausstellung einzurichten.
1191 war das Kloster, das auf einen frühmittelalterlichen Herrenhof zurückging, erstmals urkundlich erwähnt worden. Seit dem frühen 13. Jahrhundert war dort ein Damenstift des Prämonstratenserordens angesiedelt, das während seiner Blütezeit im 13. und 14. Jahrhundert zeitweise 64 Nonnen und vier Geistliche beherbergte. Der Niedergang kam mit der Reformation, 1581 wurde das Kloster schließlich aufgelöst. Aus der Anlage wurde ein Hofgut, seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist Konradsdorf eine Staatsdomäne, von denen es hessenweit 43 gibt.
Die Klosterkirche und das Propsteigebäude wurden intensiv archäologisch erforscht. Die Ausstellung erzählt über das Leben in dem ehemaligen Damenstift, dessen Blütezeit auf Ländereien, Pachteinnahmen und Schenkungen von Adligen fußte. Im Propsteigebäude, das ursprünglich vermutlich dem Propst als Wohnstätte diente, finden sich kostbare Steinmetzarbeiten, über die sich Verbindungen zu anderen stauferzeitlichen Bauwerken wie der Burgruine Münzenberg im Wetteraukreis erkennen lassen. Einen Zusammenhang gibt es auch zur Kaiserpfalz in Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis) von Friedrich Barbarossa: Dessen Verwalter Hartmann von Büdingen schenkte das Kloster Konradsdorf 1191 dem Bistum Mainz.
In Obhut der Schlösser und Gärten finden sich auch weitere Klöster aus anderen Epochen: Das Unesco-Welterbe Kloster Lorsch gehört zu den wenigen erhaltenen Relikten der Karolingerzeit, das Kloster Seligenstadt geht ebenfalls auf eine Gründung aus dieser Zeit zurück, ist allerdings heute weitestgehend im Stile des Barock überformt, wie eine Sprecherin erläuterte.