Schulpavillon gilt als Favorit für das Bürgerhaus
Die Gemeinderatswahl rückt näher. Ein zentrales Thema ist die Zukunft der kommunalen Liegenschaften, darunter der Grundschulpavillon in Leutershausen.
Für die Gemeinderatswahl am 9. Juni möchte die Lokalredaktion wieder einen Beitrag zur Meinungsbildung leisten. Am besten gelingt dies erfahrungsgemäß beim direkten Vergleich der Standpunkte und Ziele der Parteien und Wählervereinigungen.
Im dritten Teil beschäftigen wir uns mit den kommunalen Liegenschaften und fragen die im Hirschberger Gemeinderat vertretenen Fraktionen: „Hallen und Grundschulen sind oder werden saniert. Doch die Gemeinde besitzt mit der alten Schillerschule, dem alten Feuerwehrhaus und dem Grundschulpavillon in Leutershausen weitere Immobilien. Wie sieht Ihr Plan für dieses Gebäude aus? Immerhin soll ja auch ein Bürgerhaus errichtet werden.“ Hier die Stellungnahmen:
Grüne Liste Hirschberg
Die GLH lehnt einen Ausverkauf der gemeindeeigenen Gebäude grundsätzlich ab. Immobilien und Grundstücke der Gemeinde, gerade in den Ortsmitten, sind wertvolle Ressourcen, die mit Bedacht und langfristiger Perspektive genutzt und künftigen Generationen auch als Handlungsspielräume erhalten werden sollten. Ein überstürzter Verkauf, wie beim historischen Rathaus geplant, darf sich nicht wiederholen. Die alte Schillerschule wird bereits gut genutzt und sollte weiterhin ihren Platz in der Gemeinde behalten. Ihre Rolle als Begegnungsort und Bildungsstätte ist wertvoll und sollte nicht leichtfertig aufgegeben werden. Um eine passende Nutzung des alten Feuerwehrhauses wie auch des ganzen Bereichs der Bahnhofstraße/Raiffeisenstraße zu finden, hat die GLH im Gemeinderat einen Ideenwettbewerb vorgeschlagen und wird dieses Thema auch weiterhin konstruktiv begleiten. Der Pavillon könnte beispielsweise für die Gemeindebücherei genutzt werden, die in Leutershausen derzeit schlecht untergebracht ist. Dies würde nicht nur die Bibliothek aufwerten, sondern auch neue Potenziale für die Ortsmitte schaffen. Denkbar wäre in diesem Zusammenhang auch ein Umbau zu einem Bürgerhaus. Ein Bürgerhaus allerdings für die nächsten Jahre als Wahlversprechen in Aussicht zu stellen, halten wir für unrealistisch und unseriös. Der Bau und Unterhalt eines solchen Projekts ist teuer und der Gemeindehaushalt lässt kurz- bis mittelfristig keine weiteren Großprojekte zu, bevor die aktuell begonnenen nicht abgeschlossen sind. Die vorhandenen Räume und Treffpunkte in der Gemeinde bieten bereits jetzt vielfältige Möglichkeiten zur Vereinsarbeit und für Veranstaltungen. Der Fokus sollte daher zunächst auf die bessere Nutzung und Aufwertung der bestehenden Gebäude gelegt werden. Das Zusammenwachsen der beiden Ortsteile und ihrer Vereine durch Projekte wie die S3L eröffnet zudem neue Nutzungsmöglichkeiten für bereits vorhandene Räumlichkeiten. Solche Prozesse gilt es konstruktiv zu unterstützen und zu begleiten.
Freie Wähler
Ja, wir haben in Hirschberg ein Immobilien-Puzzle bei den gemeindeeigenen Gebäuden und Flächen. Und wir haben Vereine und Einrichtungen, beispielsweise die öffentliche Bücherei, die in suboptimalen Gebäuden untergebracht sind. Das gilt es zu verbessern. Dass es in den letzten Jahren in diesem Punkt eher Stillstand als Fortschritt gab, lag an der Prioritätensetzung, die die Verwaltung umzusetzen hatte. Kanalsanierung und -aufdimensionierung, Gewerbegebiet, evangelischer Kindergarten und Straßensanierungen, um nur einige zu nennen, haben die Kapazitäten der Verwaltung in Anspruch genommen. Jetzt ist es an der Zeit, neue Herausforderungen anzugehen. Das Gestalten des Immobilien-Puzzles gehört mit hoher Priorität zu den kommenden Aufgaben im Gemeinderat. Anträge von uns werden folgen.
Martin-Stöhr-Schule, Heinrich-Beck-Halle, die beiden Kindergärten und Spiel- als auch Grünflächen bilden mit dem in die Tage gekommenen Pavillon sicherlich ein gut zu entwickelndes Gebäudeensemble. Ohne den Stadtentwicklern und Fachplanern vorgreifen zu wollen: Die Freien Wähler können sich an der Stelle des Pavillons durchaus den Standort für ein Bürgerhaus vorstellen. Aber auch andere Stellen im Ort könnten in Betracht kommen. Wichtig ist, dass das Thema Bürgerhaus bald in den Fokus rutscht, und dafür setzen wir uns ein.
CDU
Das alte Feuerwehrgerätehaus, die Schillerschule, der Schulpavillon und die Gebäude Raiffeisenstraße 4 und 6 müssen in ihrer Gesamtheit betrachtet werden. Wir setzen uns dafür ein, dass mit den Planungen für den Schulpavillon dieses Jahr begonnen wird, um zu erfahren, wie dieses Gebäude genutzt werden kann beziehungsweise ob ein Abriss und Neubau sinnvoll ist. Wir sehen den Schulpavillon als Schlüsselobjekt mit Signalwirkung für die weitere Verwendung der Schillerschule und des Feuerwehrgerätehauses an. In diesem Zusammenhang wird auf unsere Initiative hin im Vorfeld geprüft, ob sich der Schulpavillon beziehungsweise das Gelände für ein Bürgerhaus eignet. In diese Überlegungen werden die Vereine aktiv mit einbezogen. Wir wollen, dass diese Frage relativ kurzfristig geklärt wird, damit das Ergebnis bei den weiteren Planungen des Standortes für ein Bürgerhaus berücksichtigt werden kann. Am Zeitplan für die Realisierung des Bürgerhauses nach der erfolgten Sanierung der Sporthallen sowie dem Anbau der 3. Halle an die Sachsenhalle halten wir fest.
SPD
Vereine und das Ehrenamt sind wichtiger Bestandteil unserer Gemeinde. Sie leisten unter anderem bei Jugend- und Seniorenarbeit, Sport und Kultur und nicht zuletzt im sozialen Bereich unschätzbare Dienste. Für die Nachfrage nach entsprechenden zusätzlichen Räumlichkeiten, dem sogenannten Bürger- oder Kulturhaus, haben wir als SPD daher durchaus Verständnis. Von den drei genannten Gebäuden sehen wir perspektivisch am ehesten den Pavillon als geeignete Grundlage dafür an. Dort könnten auch weitere Nutzungen wie zum Beispiel zukünftig die Gemeindebücherei eingeplant werden. Alternativ ist für das Bürgerhaus nach wie vor gegebenenfalls das Gelände gegenüber dem Rathaus eine Überlegung wert, auch aufgrund der notwendigen zusätzlichen Parkplätze bei Veranstaltungen. Das alte Feuerwehrhaus sehen wir derzeit aufgrund seiner Lage langfristig im Rahmen eines Gesamtkonzepts für lebendige Ortsmitten, Einzelhandel und Gewerbe, also eher in einer solchen Verwendung. Die Schillerschule ist gut genutzt durch Vereine und zum Beispiel das „Café Grenzenlos“. Ohne Alternativen dafür ist es schwierig, das Gebäude umzuwidmen. Generell muss die Entscheidung über die genannten Gebäude aufgrund vieler Abhängigkeiten daher aus Sicht der SPD im Rahmen einer Gesamtbetrachtung getroffen werden. Das ist eine der Aufgaben, denen sich der neu gewählte Gemeinderat zeitnah stellen muss. Aufgrund der aktuell anstehenden und zum Teil bereits beschlossenen Maßnahmen wie zum Beispiel der geplanten neuen Trainingshalle, der Sanierung der Sachsenhalle, des Ausbaus der Grundschule und der zwingend notwendigen weiteren Investitionen in die Sanierung maroder Straßen und Infrastruktur sind die personellen und finanziellen Kapazitäten der Gemeinde aber aus unserer Sicht mittelfristig so weit gebunden, dass umfangreiche Maßnahmen bei den oben genannten Gebäuden realistischerweise eher nicht kurzfristig zu erwarten sind.
FDP
Wir werden nicht darum herumkommen, und uns hier entscheiden müssen, welche Immobilien wir behalten und welche wir veräußern wollen. Die Gemeinde wird sich den Luxus von so vielen eigenen Immobilien perspektivisch nicht leisten können. Der Pavillon bietet sich da als neues Zentrum für unsere Vereine und die Gemeindebücherei in unseren Augen am besten an. Zentral im Ort gelegen, mit einem großen Parkplatz in fußläufiger Entfernung. Schillerschule und Feuerwehrhaus sind für uns eher Objekte, die zur Disposition stehen.