Kriminologin: Gewalt im Drogenhandel nimmt neue Formen an
Sprengstoffanschläge, versuchte Tötungsdelikte, Rekrutierungen über Social Media: Die Kriminologin Britta Bannenberg warnt vor gefährlichen Entwicklungen im organisierten Drogenhandel.
Gießen (dpa) - Die Kriminologin Britta Bannenberg sieht mit dem Phänomen «Violence as a Service» eine neue Dimension im organisierten Drogenhandel erreicht. Zwar müssten die strafrechtlichen Ermittlungen im Einzelnen abgewartet werden, doch legten Taten wie die Explosionen in Frankfurt und Offenbach «ganz stark den Verdacht nahe, dass wir es mit dem organisierten Drogenhandel zu tun haben», sagte Bannenberg der Deutschen Presse-Agentur.
In Europa werde der Kokainhandel zunehmend zum großen Problem, das bedeute, dass es auch Auseinandersetzungen zwischen Banden, Gangs und Gruppen gebe, die manchmal auch mit Gewalt ausgetragen würden, sagte die Professorin, die an der Justus-Liebig-Universität unter anderem zur organisierten Kriminalität forscht.
«Wir haben Sprengstoffanschläge, wir haben Brandanschläge, wir haben aber auch Mordanschläge mit Schusswaffen oder mit anderen Tatmitteln, und zwar im öffentlichen Raum oder in bestimmten Lokalitäten, Bars, Cafés, Cafés, Shisha-Bars, Wettbüros. Das fällt auf», sagte Bannenberg.
Bei «Violence as a Service» (VaaS) werben laut Ermittlern kriminelle Netzwerke meist junge Menschen an, die dann Gewalttaten gegen Bezahlung begehen.
Blick in andere europäische Länder richten
Relativ neu sei, dass auch Schusswaffen im öffentlichen Raum eingesetzt und «Sprengstoffanschläge» nachts zu bestimmten Zeiten begangen würden, sagte Bannenberg: «Es liegt eben nahe, den Blick in die Niederlande oder nach Schweden zu richten oder eben auch in andere europäische Länder, wo diese Form von Auseinandersetzungen immer Rahmen der organisierten Kriminalität schon länger ein Problem darstellen.» Das scheine eben auch Deutschland jetzt erreicht zu haben und insbesondere auch Hessen.
Anhand von Medienberichten über mögliche Verdachtsfälle aus diesem Kriminalitätsbereich seien Schwerpunkte im Rhein-Main-Gebiet und insbesondere im Frankfurter Raum auszumachen, aber auch im Gießener Bereich oder in Kassel. «Wir haben überall ein Aufpoppen solcher Verdachtstaten», sagte Bannenberg.
Es handele sich aber nicht um ein hessisches, sondern deutschlandweites Phänomen mit unterschiedlichen Verteilungen. «Berlin ist stärker belastet, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen als vielleicht manch andere Bundesländer. Also wir haben eine neue Entwicklung, die man in der genauen Aufklärung erst einmal genauer anschauen muss.»
Neu sei auch, dass es sich bei den bislang ermittelten Tatverdächtigen «sehr häufig» um minderjährige Niederländer oder Minderjährige aus anderen Ländern handele. «Und das hat natürlich damit zu tun, dass wir hier eine neue Rekrutierungspraxis über die sozialen Medien feststellen», sagte Bannenberg.