Mahle-Belegschaft verzichtet auf Geld – Jobs vorerst sicher
Mahle-Beschäftigte in Stuttgart und Kornwestheim opfern Tariferhöhung und Weihnachtsgeld für die Sicherheit ihrer Jobs. Zumindest bis Ende 2029. Was der Betriebsrat jetzt vom Unternehmen erwartet.
Stuttgart (dpa/lsw) - Die Beschäftigten des Autozulieferers Mahle verzichten an den Standorten Stuttgart und Kornwestheim (Landkreis Ludwigsburg) auf Einkommen, um ihre Jobs zu sichern. Der Sonderkündigungsschutz gilt bis zum 31. Dezember 2029, wie das Stuttgarter Unternehmen sowie der Mahle-Gesamtbetriebsrat und die IG Metall getrennt voneinander mitteilten.
Die Vereinbarung ermöglicht dem Zulieferer demnach, das im November 2025 angekündigte Sparprogramm in der Verwaltung und Entwicklung umzusetzen. Ursprünglich war dazu auch ein Stellenabbau geplant. Grund für die Einschnitte in Millionenhöhe sind den Angaben nach eine deutlich nachlassende Markt- und Umsatzentwicklung sowie zunehmender Kostendruck.
Konkret verzichten der Arbeitnehmerseite zufolge knapp 4.000 Mitarbeiter von Mahle auf die für 2026 vorgesehene Tariferhöhung und nehmen Kürzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld hin. Außerdem wird im laufenden Jahr eine Sonderzahlung verpflichtend in Freistellungstage umgewandelt. Außertariflich Beschäftigte leisten demnach einen gleichwertigen Beitrag.
Mahle: Einigung stärkt Wettbewerbsfähigkeit
Vorstandschef Arnd Franz zufolge ist die Einigung elementar, um Mahle an die verschärften Marktbedingungen anzupassen. Man stehe vor immens großen Herausforderungen. «Die vereinbarten Mitarbeiterbeiträge weiß ich deshalb sehr zu schätzen. Sie stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens», sagte der Manager. Zugleich warnte Franz, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Industriestandorte in Deutschland ohne weitere Reformen und bessere Rahmenbedingungen weiter bedroht bleibe.
IG-Metall-Verhandlungsführer Matthias Fuchs bezeichnete die Vereinbarung als schmerzhaften, aber verantwortungsvollen Kompromiss. «Die Kolleginnen und Kollegen leisten einen hohen Beitrag», teilte Fuchs mit. Die Mitarbeiterbeiträge gelten demnach ebenfalls bis Ende 2029.
Betriebsratschef: Das spürt jede Familie deutlich
Gesamtbetriebsratschef Boris Schwürz ergänzte: «Die Einschnitte bei Entgelt, Weihnachts- und Urlaubsgeld spürt jede Familie deutlich.» Gleichzeitig gewinne man Luft, um tragfähige Zukunftskonzepte für Stuttgart und Kornwestheim zu entwickeln. «Entscheidend ist, dass Mahle diese Atempause jetzt konsequent nutzt: Wir erwarten Investitionen, Qualifizierung und neue Produkte an den Standorten, damit aus vorübergehenden Beiträgen der Belegschaft keine dauerhaften Verschlechterungen werden.»
Die Vereinbarung enthält demnach auch eine Ausstiegsklausel: Abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung und der Lage bei Mahle können beide Seiten den Ergänzungstarifvertrag bereits zum 31. Dezember 2028 vorzeitig kündigen.
Geschäft bei Mahle läuft schleppend
Mahle hat in den vergangenen Jahren mehrere Sparprogramme aufgelegt, in deren Zuge auch zahlreiche Stellen abgebaut wurden. Hintergrund ist eine anhaltend schwache Geschäftsentwicklung: Der Umsatz sank 2025 von 11,68 auf rund 11,26 Milliarden Euro, der Konzerngewinn ging von 22 auf 20 Millionen Euro zurück. Als Ursachen nennt der Konzern die schlechte Autokonjunktur, den schleppenden Anlauf der Elektromobilität, den Wettbewerb durch asiatische Anbieter sowie die US-Zölle.