Kommunen

Mehr Müll, mehr Ratten: Bei Bekämpfung auch Bürger gefragt

Die Nähe zu Menschen verspricht Ratten ein reichhaltiges Nahrungsangebot - gerade im Sommer kann das zum Problem werden. Hessens Städte bitten deshalb um einen verantwortungsvollen Umgang mit Grill- und Picknickresten.

Gießen/Darmstadt/Fulda/Frankfurt (dpa/lhe) - Warme Sommertage locken mehr Menschen ins Freie - das kann auch zu mehr Lebensmittelabfällen in Parks und Innenstädten führen, die Ratten anziehen. Damit die Nager nicht zur Plage werden, haben die hessischen Kommunen die Müllentsorgung im Blick und schicken spezielle Schädlingsbekämpfer ins Feld. Aber auch die Bürgerinnen und Bürger sind bei dem Thema gefragt.

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Die Stadt Gießen beispielsweise hat kürzlich ihre Kampagne «No Food, No Rats» neu aufgelegt. Mit Plakaten, Aufklebern und Broschüren will sie für das Thema sensibilisieren, denn Ratten können bis zu 120 verschiedene Krankheiten übertragen - von Hantavirus über Cholera bis hin zu Typhus, wie eine Sprecherin der Mittelhessischen Wasserbetriebe erklärt. Ein akutes Problem gebe es derzeit zwar nicht, die Rattenpopulation sei mit geschätzten vier Tieren pro Einwohner auf einem «normalen Niveau». Aber damit sie in den kommenden Sommer-Monaten nicht weiterwachse, bitte man alle Bürgerinnen und Bürger darum, Nahrungsmittelabfälle bewusst und verantwortungsvoll zu entsorgen. Denn es gelte die einfache Formel: Je mehr Lebensmittelreste, desto mehr Ratten.

Bereits in der Corona-Zeit hätten solche Abfälle im öffentlichen Raum im Vergleich zum Vorjahr zugenommen, weil sich die Menschen vermehrt draußen aufgehalten hätten, so die Sprecherin. Die nachtaktiven Ratten können sich überall finden - sie können exzellent schwimmen, tauchen und klettern. «Im Kanal, auf Grünflächen oder auch in stillgelegten Gebäuden sind sie zu Hause. Durch das Kanalnetz kommen sie wie auf einer Autobahn schnell von A nach B. Durch die gleichbleibende Temperatur und das reichhaltige Nahrungsangebot, das ihnen über Abfluss und WC «serviert» wird, finden sie ganzjährig beste Lebensbedingungen.» In der Gießener Kanalisation nähmen geschulte Fachkräfte der Mittelhessischen Wasserbetriebe die Rattenbekämpfung vor und würden dabei spezielle Köderboxen einsetzen.

Auch in Kassel gibt es die sogenannten Schadnager - wie in jedem urbanen Raum, in dem viele Menschen eng zusammenwohnen, wie ein Sprecher der Stadt erklärte. Ein vermehrtes Aufkommen von Ratten im Stadtgebiet könne in diesem Jahr bislang aber nicht festgestellt werden. «Zur Bekämpfung beziehungsweise Eindämmung des Befalls können alle Bürger beitragen», sagte der Sprecher. Die Haus- und Grundstückseigentümer, indem sie bei konkretem Befall, aber auch präventiv Bekämpfungsmaßnahmen durchführen würden. Alle Einwohner, indem sie etwa keine Essensreste in der Toilette herunterspülen, im Garten keine Nahrungsquellen schaffen und auf öffentlichen Flächen Speisereste immer in Abfalltonnen entsorgen würden. Und schließlich Gastronomiebetriebe, indem sie Speisereste ordnungsgemäß entsorgen würden.

Die Stadt fordere seit vielen Jahren per öffentlichem Appell im Frühjahr alle Grundstückseigentümer zur präventiven Bekämpfung von Ratten auf. «In erster Linie sind die Grundstückseigentümer verpflichtet, derartige Maßnahmen durchzuführen.» Kämen sie der Verpflichtung trotz eines Befalls nicht nach, würden sie per schriftlicher Anordnung dazu aufgefordert. Mit dieser Anordnung werde gleichzeitig angedroht, dass die Stadt die Maßnahme vornehmen lasse, und dies werde bei fortgesetzter Weigerungshaltung auch umgesetzt. «Die Kosten dieser Maßnahme trägt der Eigentümer», so der Sprecher. Das Ordnungsamt beantrage das in etwa 20 bis 30 Fällen pro Jahr. In diesem Rahmen dürfte sich die Fallzahl auch in diesem Jahr in etwa bewegen. Das Tierschutzgesetz verlangt, dass die Nager grundsätzlich nur von sachkundigen Personen - in der Regel also nur von professionellen Schädlingsbekämpfern - getötet werden dürfen, wie der Sprecher betonte.

Auch ein Sprecher des Frankfurter Ordnungsamtes verwies auf die Pflicht der Grundstückseigentümer, sich um Probleme mit Ratten zu kümmern. Geschehe dies nicht, schreite das Ordnungsamt ein und sorge dafür, dass die Tiere bekämpft würden. «Unser diesbezügliches Arbeitsaufkommen ist, je nach Jahreszeit und Wetter, mal geringer und mal intensiver, über die Jahre gesehen aber auf einem gleichbleibenden Niveau.» Im Sommer gebe es regelmäßig vermehrt Meldungen, vermutlich auch deshalb, weil die Menschen mehr draußen unterwegs seien und so häufiger Ratten entdecken würden. «Ratten befinden sich grundsätzlich ganzjährig in der Stadt und finden auch im Winter in der Kanalisation entsprechend angenehme Temperaturen sowie einen reich gedeckten Tisch an Nahrung, der über die Kanalisation entsorgt wird.»

In Darmstadt wurde nach Angaben eines Sprechers im vergangenen Jahr eine deutliche Zunahme der ausgelegten Köder im Vergleich zu 2021 registriert. In diesem Jahr dürfte die Zahl aber einer Hochrechnung zufolge wieder auf das Niveau von 2021 sinken. Ein städtischer Eigenbetrieb bekämpfe die Tiere in der Kanalisation. Grundlage hierfür seien eigene Erkenntnisse zum Beispiel über Spurensichtungen bei der Kanalreinigung, aber auch Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern. Ein vorsorgliches Auslegen von Ködern sei nicht mehr zulässig. Eine Bekämpfung finde regelmäßig statt. Zudem gehe ein Fachbetrieb in der Regel einmal im Quartal in den öffentlichen Grünanlagen gegen die Tiere vor.

Auch Fulda habe grundsätzlich wie alle größeren Städte Probleme mit Ratten, Tauben und anderen Schädlingen, teilte ein Sprecher mit. Mehr Ratten als in den Vorjahren gebe es aber dank einer regelmäßigen Schädlingsbekämpfung nicht. Den Kampf gegen die Ratten hat eine Fachfirma übernommen, die dafür Boxen mit sogenannten Fraßködern präpariert. Im Bereich der Kanalisation sei der Abwasserverband Fulda für die Bekämpfung von Ratten zuständig. Auch diese geschehe regelmäßig und mit gutem Erfolg.

Die Stadt Wiesbaden geht davon aus, dass auf einen Einwohner etwa zwei Ratten kommen - möglicherweise auch ein wenig mehr, wie ein Stadtsprecher erklärte. Von den warmen Quellen im Untergrund der Stadt profitiert Ungeziefer, das zur Nahrung der Ratten zählt. Außerdem mag es die Brut der Ratten warm und kann sich dadurch besser entwickeln. Die Bekämpfung der Tiere im öffentlichen Raum beschränke sich auf die Auslegung entsprechender Giftköder in der Kanalisation, so der Sprecher. Auf privatem Gelände seien die Eigentümer selbst verantwortlich für die Schädlingsbekämpfung.