Gericht

Mord mit Steinmetzhammer? Sicherungsverfahren in Darmstadt

Prostitution mit Dämonen und tödlichem Ritual? Die Staatsanwaltschaft hält die Beschuldigte für zur Tatzeit psychisch krank. Wovor sie Angst gehabt haben soll.

Am Landgericht Darmstadt läuft ein nicht alltäglicher Prozess, bei dem es um Prostitution und tödliche Gewalt geht. (Symbolbild) Foto: Michael Brandt/dpa
Am Landgericht Darmstadt läuft ein nicht alltäglicher Prozess, bei dem es um Prostitution und tödliche Gewalt geht. (Symbolbild)

Darmstadt (dpa) - Eine 40-jährige Frau soll für ein Ritual im südhessischen Heusenstamm einen Mann heimtückisch ermordet haben - nun hat am Darmstädter Landgericht der Prozess gegen sie begonnen. Es ist ein Sicherungsverfahren - die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Leverkusenerin zum Tatzeitpunkt Ende Februar 2026 unter einer paranoiden Schizophrenie litt.

Sie hatte laut Anklage ein Zimmer in Heusenstamm gemietet, um dort als Prostituierte zu arbeiten. «Seit einiger Zeit war die Beschuldigte der Auffassung, an einem Pilz erkrankt zu sein», sagte Staatsanwalt Marcel Becker. Daher habe sie beschlossen, einen Freier zu töten, um durch ein Ritual von vermeintlichen Dämonen Schutz zu bekommen. 

Leiche für Ritual präpariert?

Daher habe sie am Nachmittag des 23. Februar mit einem Steinmetzhammer einem ihr nicht weiter bekannten 63-jährigen Freier aus Kronberg den Schädel eingeschlagen, den Leichnam für ein Ritual präpariert, zerteilt und die Körperteile in Säcken zu Mülltonnen gebracht, ergänzte der Staatsanwalt. 

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Weil die Tonnen am folgenden Tag nicht geleert worden seien, sei die Prostituierte geflüchtet, habe aber persönliche Gegenstände zurückgelassen. Unter anderem wurde an dem Hammer DNA der Beschuldigten gefunden. Sie wurde am 28. Februar an der deutsch-polnischen Grenze festgenommen.

Freier bricht Massage mit Fesselung ab

Ein Zeuge, der vor der Tat als Freier bei der Frau gewesen war, sagte aus, sie habe ihm eine erotische Massage mit Fesselung angeboten. Währenddessen habe er sich aber unwohl gefühlt und die Massage abgebrochen. Danach habe er festgestellt, dass er am Hals geblutet habe. 

Die Frau schweigt zur Anklage. Sie ist in der forensischen psychiatrischen Klinik in Haina untergebracht. Ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie bestätigte, dass die Patientin eine paranoide Schizophrenie habe. Sie habe beschrieben, dass sie sich zur «Egohochpolung» mit «modernem Satanismus» beschäftigt habe. Die Beschuldigte spreche zwar gut auf ihre Medikation an, sagte der Psychiater. Aber man gehe weiterhin von einer hohen Gefahr aus. 

Richter: «Relativ eindeutiger Sachverhalt»

Für den Prozess sind vorerst noch vier weitere Verhandlungstage bis zum 24. November vorgesehen. Der Vorsitzende Richter Volker Wagner sagte, dass der Sachverhalt «relativ eindeutig» sei.