Spielt im Schwarzwald

Mysteriöses Verschwinden: die ARD-Serie «House of Yang»

Zeitsprünge, Geheimnisse und starke Frauen: wie das Trauma einer Familie Generationen verbindet - und warum man in diesem Haus im Schwarzwald besser keine Türen schließt.

Die Mysteryserie «House of Yang» spielt im Schwarzwald. Foto: -/SWR/ARD/dpa
Die Mysteryserie «House of Yang» spielt im Schwarzwald.

Freudenstadt (dpa) - Warum stehen Bücherstapel an allen Türrahmen und verhindern, dass die Türen ins Schloss fallen? Mit diesem alten Haus, abgelegen im Schwarzwald, stimmt irgendetwas nicht. Das spürt man schnell - auch ohne den Hinweis des Maklers: «Meine Kollegen wollten den Auftrag nicht mal annehmen wegen der Sache, die hier passiert ist.»

Die Sache - das ist das unerklärliche Verschwinden eines Mädchens. Beim Versteckspiel im Dunkel geriet es mit seiner Schwester in Streit und huschte in ein Zimmer. Doch das verschwand ganz plötzlich. Samt dem Kind darin. Wo gerade noch die Tür war, ist jetzt nur noch Wand.

In der ARD-Mediathek ist jetzt die Serie «House of Yang» zu sehen (Streamingstart 9. Oktober). Sechs zusammenhängende Teile à etwa 25 Minuten (das Erste zeigt sie am 9. Oktober ab 23.55 Uhr). Geschrieben und entwickelt von Stefanie Ren. Ein Mix aus Mystery und Drama mit einer Portion Schauder. 

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Impressum

«Die Serie ist sehr persönlich», sagte Ren, die die Produktion von Anfang bis Ende geleitet hat, der Deutschen Presse-Agentur. Sie habe erlebt, wie ihre deutsche Großmutter - Frau eines NSDAP-Mitglieds - Angst vor ihrem chinesischen Vater gehabt habe. Wie Dinge verschwiegen wurden und verdrängt werden sollten. «Es geht um Traumata, die von Generation zu Generation weitervererbt werden.» Für sie als Kind habe das etwas Gruseliges gehabt.

Zeitsprünge vom Nachkriegs-Deutschland bis zur Gegenwart

Das Setting ist das ehemalige Elternhaus von Jessie (Elisa Hofmann). Alte knarzende Holztreppen, Möbel und Tapeten aus den 1990er Jahren, alles sieht etwas verwunschen aus. Ein Lost Place - verlassen, so wie er damals noch belebt war. Mit Postern von Boybands an den Wänden im Teenager-Zimmer.

Hier in diesem Haus verschwand Jessies Schwester. Und - das erfährt das Publikum gleich in der ersten Episode - hier passierte auch irgendwas mit ihrer Mutter. Doch das ist nicht das einzige Ungewöhnliche: Schon einmal ist hier ein Mädchen spurlos verschwunden und das Zimmer war einfach weg. 

So springt die Serie durch die Zeit: vom Hier und Jetzt in die Jahre 1999 und 1949. Die Figuren kann man anhand ihrer Merkmale wie auffällige Leberflecken trotz der Zeitsprünge identifizieren. Und es deutet sich schnell an, dass dem einen oder anderen Alten früher etwas widerfahren sein muss. 

«The Sixth Sense» als Vorbild 

Das Ganze erinnert an das Konzept der Netflix-Erfolgsserie «Dark». Wenngleich die Zahl der Protagonisten deutlich überschaubarer ist. Wer «House of Yang» verfolgt, wird aber noch eine weitere Parallele feststellen. 

Wenngleich sich Horror- und Mystery-Fan Ren nach eigenen Worten Inspirationen eher bei der Miniserie «The Haunting of Hill House» (deutsche Fassung: «Spuk in Hill House») oder dem Film «The Sixth Sense» geholt hat. So bietet auch das Ende der sechsten Folge «House of Yang» Möglichkeiten zur Fortführung. 

Für die ersten Episoden sei verraten: Das Anwesen macht nicht zu unrecht den Eindruck, als könnte es hier spuken. So fällt an einer Stelle zum Beispiel der Ratschlag: «Mach' es besser als ich und bleib' bei den Lebenden.» 

Über das Genre habe sie die Gefühle des Gruselns und der Angst leichter zugänglich machen können, erklärte Ren. Zumal Geistergeschichten in Taiwan und China tief in der Kultur verankert seien. «Die Idee, dass die Geister der Ahnen im Haus präsent sind, ist hier weit verbreitet.»

Mütter-Töchter-Beziehung im Fokus

Die Geschichte erstreckt sich über drei Generationen einer deutsch-chinesischen Familie. In jeder Epoche werden die damaligen Themen aufgegriffen, darunter auch der Alltagsrassismus der 90er. Und es geht laut dem produzierenden Sender SWR um die Frage: Sind wir dazu verdammt, die tragischen Fehler unserer Eltern und Großeltern zu wiederholen? 

Im Mittelpunkt stehen starke Frauen, jede hat auf ihre Weise mit Widrigkeiten zu kämpfen. Auch das habe teils biografische Gründe, sagte Ren. Die Frauen in ihrer Familie hätten sie stark geprägt. Und immer wieder habe sie festgestellt, welche Rolle das Verhältnis von Müttern zu ihren Töchtern spiele.

Erfahrungen, die wohl viele teilen. Bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin dieses Jahr wurde «House of Yang» uraufgeführt. Die Resonanz sei gut gewesen, berichtete Ren. «Viele können sich mit so einer Familiengeschichte identifizieren.» Da spielten die besonderen Nuancen der Serie keine Rolle.

Dort bleibt manche Frage offen. Wer sich auf das Mystisch-Irrationale einlässt, dürfte Gefallen an dem Sechsteiler finden. Auch ein bisschen Gruseln sollte man abkönnen, denn Warnungen vor Gefahren gibt es immer wieder. So rät etwa Jessies frühere Freundin deren Tochter Mila (Purnima Grätz): «Pass' auf dich auf in dem Haus. Und mach keine Türen zu.»