Ermittlungen

Nach Mafia-Razzia in Münster: Zweiter Mann stellt sich

Polizeibeamte entladen einen Transporter mit sichergestelltem Material aus einer Razzia. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild
Polizeibeamte entladen einen Transporter mit sichergestelltem Material aus einer Razzia.

Stuttgart/Münster (dpa) - Nach der Festnahme eines mutmaßlichen Mafia-Mitglieds in Münster hat sich dessen älterer Bruder der Polizei in Stuttgart gestellt. Der 70-Jährige habe sich am Dienstagabend freiwillig bei der Polizei gemeldet und sei festgenommen worden, bestätigte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Hamm am Mittwoch. Gegen ihn liege ein Auslieferungshaftbefehl des Oberlandesgerichts Hamm vor. Ebenso wie bei seinem 62 Jahre alten Bruder hatten die italienischen Behörden demnach die Auslieferung ersucht. Zuvor hatten die «Westfälischen Nachrichten» berichtet.

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Beiden Männern werden nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sowie Geldwäsche vorgeworfen. Sie sollen der kalabrischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta angehören.

Der 62-Jährige war bereits am Dienstagmorgen bei einem Einsatz in Münster festgenommen worden. Der Einsatz war Teil einer internationalen Razzia gegen die kalabrische Mafia. Der ältere Bruder sei vor Ort nicht angetroffen worden, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Gerüchte, er habe sich nach Italien abgesetzt, seien dann durch das Auftauchen des Mannes in Stuttgart widerlegt worden.

In Italien wurden am Dienstag noch 43 weitere Menschen festgenommen, wie die Carabinieri erklärten. Ihnen werden demnach Verbindungen zur 'Ndrangheta sowie Betrug, Erpressung, Bestechung und Mord vorgeworfen. Eine mögliche Einflussnahme von Mafiosi auf die Politik war ebenso Gegenstand der Ermittlungen. Ein Großteil der Festgenommenen kam ins Gefängnis, die übrigen kamen in Hausarrest.

Wie das Landeskriminalamt Baden-Württemberg am Mittwoch berichtete, wurde bei der Razzia auch eine Adresse im Landkreis Heilbronn überprüft. Dort sei einer der Beschuldigten gemeldet. Der 59-Jährige habe sich den Ermittlungen zufolge aber schon «seit längerer Zeit» nicht mehr in Obersulm aufgehalten und sei dann im Zuge des Einsatzes in der Nähe der italienischen Stadt Parma festgenommen worden.