Nach mutmaßlichem Doppelmord: Prozess gegen Brüder gestartet
Blutfehde, Rache, Familienehre: Die Staatsanwaltschaft schildert im Prozessauftakt, warum zwei Männer in Bad Nauheim getötet worden sein sollen. Die Angeklagten schweigen zu den Vorwürfen.
Gießen (dpa) - Das Landgericht Gießen hat den Mordprozess um eine mutmaßliche Blutrache gegen zwei Brüder eröffnet. Angeklagt sind der 29 Jahre alte mutmaßliche Schütze, dem die Staatsanwaltschaft heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen in zwei Fällen zur Last legt, sowie sein 36 Jahre alter Bruder wegen Beihilfe. Beide wollten sich zu den Vorwürfen zum Prozessauftakt nicht äußern.
Am Karsamstag vergangenen Jahres soll der Jüngere der beiden zwei Männer im Alter von 28 und 59 Jahren vor ihrem Wohnhaus in Bad Nauheim überrascht und erschossen haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Tat aus Rache geschah. Die Männer starben noch am Tatort an schweren inneren Verletzungen.
Das Jüngere der beiden Opfer war der Schwiegersohn des anderen Toten. Sowohl bei den Angeklagten als auch den Opfern handelt es sich um türkische Staatsangehörige.
Staatsanwaltschaft vermutet «Vergeltungsakt»
Die Staatsanwaltschaft geht von einem «Vergeltungsakt» als Hintergrund aus. Ein Bruder eines der beiden Opfer soll zuvor in der Türkei den Vater der beiden Angeklagten getötet haben. «Seitdem herrschte zwischen beiden Familien eine Blutfehde», sagte die Staatsanwältin bei der Verlesung der Anklage. Um die Tötung ihres Vaters zu rächen und vermeintlich die Familienehre wiederherzustellen, hätten sie beschlossen, die beiden Männer zu töten.
Der 29-Jährige hatte sich einige Tage nach der Tat bei der Polizei im Hanauer Stadtteil Großauheim selbst gestellt und die Tat kurz nach seiner Festnahme eingeräumt. Sein älterer Bruder hingegen hatte bestritten, Beihilfe geleistet zu haben.