Kleiner Fehler, große Folgen – Stromausfall in Stuttgart
Auch wenn das Stromnetz in Stuttgart nicht einmal eine Sekunde aus dem Takt kommt, geht nach einem Schaltfehler eines Mitarbeiters vieles nicht mehr. Muss sich der Mann jetzt Sorgen machen?
Stuttgart (dpa) - Es ist ein kleiner Fehler mit einer großen Wirkung. Um 10.03 Uhr unterläuft einem erfahrenen Mitarbeiter des Netzbetreibers Stuttgart Netze in einem Umspannwerk ein kleiner Fehler, vereinfacht gesagt: Er drückt einen falschen Knopf. Daraufhin sinkt im Stuttgarter Hochspannungsnetz die Netzspannung für genau 0,06 Sekunden ab - bevor eine automatische Sicherheitseinrichtung eingreift und den Fehler des Mitarbeiters rückgängig macht.
Aber schon dieser Augenblick reicht aus, damit in der Landeshauptstadt in Cafés und Geschäften kurz die Lichter flackern und in Büros auf einen Schlag das Internet ausfällt. Auf den Straßen hat der kurzzeitige Stromausfall dagegen größere Auswirkungen. In vielen Teilen der Stadt fallen die Ampeln aus, Streifenpolizisten eilen zu größeren Kreuzungen und regeln den Verkehr, die Stadtbahnen bleiben zeitweise stehen - und auch die Feuerwehr muss mehrfach ausrücken.
Für den Mitarbeiter hat der kleine Fehler immerhin wohl keine größeren Folgen - zumindest was den Arbeitsplatz angeht. «Wir stehen zu unseren Mitarbeitern», sagte Fabian Rathmann, Bereichsleiter Netzbetrieb, auf die Frage, ob der Kollege nun etwas zu befürchten habe. Aber: Der Vorfall ging wohl auch an dem erfahrenen Kollegen nicht spurlos vorbei. «Dem Mitarbeiter persönlich geht es natürlich erst mal nicht gut, weil er sich natürlich bewusst ist, dass er ein Versehen begangen hat.»
Netzbetreiber: Kunden konnten nur Flackern bemerken
Kundinnen und Kunden mit einem Niederspannungsanschluss, also die normalen Stromkunden, hätten von dem Abfall höchstens ein Flackern bemerken können, teilte der Netzbetreiber mit. «Private Haushalte waren lediglich vereinzelt von dieser Störung betroffen.» Kundenanlagen, die mit einer automatischen Unterspannungssicherung ausgestattet sind, sind aber teils ausgefallen. Sie mussten laut Netzbetreiber durch die Kunden wieder manuell zugeschaltet werden.
Die Feuerwehr musste zu mehreren Einsätzen ausrücken, im ganzen Stadtgebiet lösten Brandmeldealarme aus. Richtige Brände habe es aber nicht gegeben. Auch größere Rettungsaktionen, etwa wegen eingeschlossener Menschen in Fahrstühlen, blieben einem Feuerwehrsprecher zufolge aus. Am Mittag ging die Zahl der Einsätze demnach deutlich zurück, man kehre in den Normalmodus zurück, so der Sprecher.
Auch die Polizei rückte zu einigen Einsätzen aus. Wegen des Stromausfalls lösten Alarmanlagen aus, etwa in Juweliergeschäften. Bis in den Nachmittag hinein waren zudem Ampeln ausgefallen und Einsatzkräfte mussten den Verkehr an größeren Kreuzungen regeln.
Die Menschen in der Stadt konnten zudem zeitweise mit ihren Smartphones nicht mehr telefonieren, das Mobilfunknetz und das Internet fielen nach Angaben der Anbieter Telekom und Vodafone zeitweilig aus.
Vodafone: Rund 20 Minuten keine Internetverbindung
«Insgesamt 5.250 Kunden in der Landeshauptstadt konnten im Zeitfenster 9.45 Uhr bis 10.15 Uhr für jeweils etwa 15 bis 20 Minuten das Internet nicht nutzen und auch nicht telefonieren», teilte ein Vodafone-Sprecher mit. Betroffen seien sowohl Mobilfunk- als auch Kabelkunden gewesen. Die Telekom konnte zunächst nicht sagen, wie viele Nutzerinnen und Nutzer betroffen waren.
Die Fahrgäste von Stadtbahnen mussten zeitweise in den Zügen ausharren, auch sie blieben stehen. Sie habe in einer Stadtbahn gesessen, die für mehrere Minuten nicht habe weiterfahren können, sagte eine Augenzeugin der Deutschen Presse-Agentur (dpa). «Es gab eine Durchsage, dass es einen Stromausfall gibt und dass es in wenigen Minuten weitergeht», sagte die Frau.
Die S-Bahnen und der Regionalverkehr der Deutschen Bahn (DB) waren einem Bahnsprecher zufolge nicht betroffen. Auch am Flughafen hatte der Stromausfall keine Auswirkungen.
Nach Angaben von Stuttgart Netze fällt in Stuttgart im Jahr acht Minuten der Strom aus. Im Bundesgebiet seien es 13 Minuten jährlich. Der Sprecher sagte, so ein Ereignis wie am Donnerstag sei ihm in der jüngeren Vergangenheit in Stuttgart nicht bekannt. In Stuttgart gibt es insgesamt 26 Umspannwerke.