«Nur kurz meine Brust auspacken»- Anwältin stillt im Gericht
Ein Richter bietet Schaukeln des Babys an, gegnerische Anwälte zeigen Verständnis - Erlebnisse der Wiesbadener Anwältin Julia Dokara. Was berichtet sie auf Instagram? Welche Kommentare bekommt sie?
Wiesbaden (dpa) - «Bitte lassen Sie sich nicht irritieren, ich muss nur kurz meine Brust auspacken», so schildert Anwältin Julia Dokara eine Szene vor Gericht, als sie in einem Prozess ihren kleinen Sohn gestillt hat. Das macht die Wiesbadener Juristin regelmäßig. Der Zeuge sei trotzdem verstört gewesen. Welche Reaktionen bekommt die 32-jährige Mutter sonst darauf, dass sie ihrem Kind im Gerichtssaal die Brust gibt? Darüber gibt sie auch auf ihrem Instagram-Kanal mit rund 116.000 Followern Auskunft.
«Ich stand drei Tage nach der Geburt wieder im Gerichtssaal. Aber nicht allein. Mit meinem Baby. Und zu zweit haben wir jeden Gerichtstermin gerockt», sagt Dokara. «Kein einziges Mal fiel irgendein Spruch. Nie!» Damit habe sie zuvor niemals gerechnet, berichtet die promovierte Anwältin für Miet- und Arbeitsrecht auf Instagram.
«Mein Mandant drohte als Mieter auf der Straße zu stehen»
Warum schon so rasch nach der Geburt zurück ins Gericht? Bei ihrem ersten Sohn habe sie noch mit abgepumpter Milch und Unterstützung ihrer Familie versucht, für Prozesse frei zu sein, aber Stillprobleme bekommen, sagt Dokara der Deutschen Presse-Agentur. Also sei ihr klar gewesen, das zweite Kind lieber in Gerichtssäle mitzunehmen.
Ursprünglich habe sie drei Wochen nach der Geburt noch keine Gerichtstermine wahrnehmen wollen. «Doch es gab ein Eilverfahren. Ein Vermieter hatte Wohnungsschlüssel ausgetauscht, mein Mandant drohte als Mieter auf der Straße zu stehen, das konnte nicht warten», erklärt die 32-Jährige. «In dem Verfahren haben wir uns positiv verglichen», ergänzt sie. Schließlich habe es einen halbjährigen Aufschub für den Mieter in der Wohnung gegeben.
Richter bietet Schaukeln des Babys an
Mittlerweile habe sie in vielen Prozessen gestillt. Richter, Mandanten, sogar gegnerische Anwälte - alle seien verständnisvoll gewesen. Sie habe herumlaufen und wippen dürfen, ein junger Richter habe sogar angeboten, ihr Baby zu schaukeln, erzählt Dokara der dpa. Sie habe ihre Erlebnisse gepostet, um zu zeigen, dass Stillen auch in der Öffentlichkeit legitim und legal sei: «Jede Mutter hat dieses Recht.»
Im Netz hat Julia Dokara viele positive Kommentare bekommen wie etwa «Respekt! Hammer Frau und Mutter!». Aber sie polarisiert auch, es gibt ebenso Kritik, beispielsweise: «Bei aller Mutterliebe, aber so was geht wirklich nicht. Wäre ich deine Mandantin, ich hätte dich gefeuert.» Er würde nicht sehen wollen, dass seine Anwältin ihr Kind stillt und abgelenkt sei, so dieser Nutzer.