Pilzsaison bleibt bislang aus - so ist die Prognose
Trockenheit und Hitze stellen die Geduld der Pilzsammler heuer auf die Probe. Wann die Saison startet und wie sie ausfallen wird, ist laut Experten offen - und hängt vor allem von einer Sache ab.
Hofheim/Fulda (dpa/lhe) - Wer derzeit in Hessens Wäldern nach Pfifferlingen sucht, dürfte mit leerem Körbchen nach Hause kommen. Nach der anhaltenden Trockenheit blicken Pilzsachverständige skeptisch auf die kommende Saison. Entschieden ist aber noch nichts: Ausreichend Niederschläge könnten zumindest im Herbst noch für Funde sorgen.
«Alles hängt davon ab, ob es regnet», sagte Thomas Lehr, Pilzsachverständiger aus Hofheim am Taunus. Für das Rhein-Main-Gebiet fällt seine vorsichtige Prognose ernüchternd aus. «Ich sehe keine große Hoffnung für meine Region.» Allerdings könne sich die Lage regional stark unterscheiden. «Natürlich ist noch alles möglich.»
Der eigentliche Pilz bleibt unsichtbar
Was Pilzsammler im Wald entdecken, ist nur der Fruchtkörper. Das eigentliche Lebewesen befindet sich als weit verzweigtes Geflecht unter der Erde. Dieses sogenannte Myzel kann grundsätzlich auch längere Trockenperioden überstehen, ohne abzusterben. Viele Pilzarten seien flexibel und robust, sagte Lehr.
Ob das unterirdische Pilzgeflecht durch die bisherige Trockenheit dennoch Schaden genommen hat, ist ungewiss. Nach Einschätzung des Pilzsachverständigen Alex Maier aus Fulda wirkt sich die anhaltende Trockenheit bis auf das Grundwasser aus. «Die Voraussetzungen für eine gute Saison sind bislang schlecht.»
Kontinuierlicher Regen ist entscheidend
Für die Bildung der sichtbaren Fruchtkörper benötigen Pilze genügend Feuchtigkeit im Boden. Dabei kommt es nicht allein auf einzelne Schauer an. Entscheidend sei, wie ergiebig und kontinuierlich es regne, sagte Maier. Auch kühle Nächte seien notwendig, um das Wachstum anzuregen.
Doch selbst wenn nun ausreichend Niederschlag fällt, würden die Pilze nicht unmittelbar aus dem Boden sprießen. Das Myzel benötigt noch Zeit, um auf die veränderten Bedingungen zu reagieren und Fruchtkörper auszubilden.
Sommerpilze könnten ausbleiben
Für einige Arten kommt der Regen aber womöglich zu spät. «Für Sommerpilze wie Pfifferlinge und Sommer-Steinpilze könnte es auf jeden Fall knapp werden in diesem Jahr», berichtete Lehr.
Pfifferlinge wachsen normalerweise im Juli, August und September. In diesem Jahr sind sie den Experten zufolge bislang ausgeblieben. Maier hält es für «absolut möglich», dass es dieses Jahr auch vielen anderen Arten so sein wird.
Hauptsaison im Oktober und November
Noch hoffen die Pilzsachverständigen auf die Hauptsaison im Oktober und November. Wie ergiebig sie ausfallen wird, lässt sich derzeit aber nicht vorhersagen. Abhängig ist das nicht nur von der Niederschlagsmenge, sondern auch davon, wie gleichmäßig der Regen fällt und wie gut der Boden die Feuchtigkeit aufnehmen kann.
Zudem beobachten die Experten eine grundsätzliche Verschiebung der Pilzsaison. Heiße und trockene Sommer sorgten dafür, dass viele Arten erst später Fruchtkörper bildeten. Zudem könnte sich die Saison auf eine vergleichsweise kurze Phase konzentrieren. Für Pilzsammler heißt das: Selbst, wenn die Pilze noch kommen, könnte das Zeitfenster für die Suche klein sein.