Landeskriminalamt

Polizeigewerkschaft kritisiert Neubaupläne für LKA

Das LKA-Gebäude in Stuttgart gilt seit langem als veraltet, zu klein, zu marode. Ein Neubau soll her. Den plant das Innenministerium allerdings am falschen Ort, findet die Polizeigewerkschaft.

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg.

Stuttgart (dpa/lsw) - Das neue Landeskriminalamt sollte aus Sicht der Deutschen Polizeigewerkschaft im Grünen gebaut werden. Die aktuellen Planungen innerhalb des Stadtgebiets Stuttgart seien nicht zukunftsfähig und rückwärtsgewandt, sagte Gewerkschaftschef Ralf Kusterer der Deutschen Presse-Agentur. Vorgesehen ist derzeit ein Gelände an der Stuttgarter Pragstraße. Darüber gibt es laut Innenministerium bereits einen Kabinettsbeschluss.

«Allein die Dekontaminierung des vorgesehen Areals kostet Millionen und dauert Zeit», kritisiert nun Kusterer. Bis zum Baubeginn könne es Jahre dauern. Ein Neubau außerhalb der Stadt lasse in der Zukunft Entwicklungsperspektiven zu. Die ständig steigenden Herausforderungen an die Kriminalitätsbekämpfung erforderten Reservefläche. «Die Planungen sind jetzt schon nicht ausreichend und beengt.»

Das LKA-Hauptgebäude wurde 1978 gebaut und war ursprünglich als reines Verwaltungsgebäude konzipiert. Im Januar war es im Gebäude zu einem Stromausfall gekommen. Daraufhin hatten sich manche Rechner und Server überhitzt, es entwickelte sich Rauch im Gebäude und es kam zu Problemen mit der IT. Der Ausfall hatte sich zum Teil auch auf die EDV-Systeme von Polizeipräsidien im Land ausgewirkt. LKA-Chef Andreas Stenger sprach von einer «dramatischen Situation». Er begründete den Ausfall mit dem maroden Gebäude und veralteten Stromschienen und plädierte dafür, den Neubau zu forcieren.

Nach dem Stromausfall hatte Innenminister Thomas Strobl (CDU) gesagt, den Neubau des LKA-Gebäudes schneller als geplant in Angriff nehmen zu wollen. Auch die Grünen stimmten dem zu.

Ein Ministeriumssprecher erklärte am Sonntag: «Das Problem rund um das LKA-Gebäude beschäftigt uns schon länger, der Stromausfall hat das Problem nur drastisch zu Tage treten lassen.» Dies sei der Anlass dafür gewesen, die Planungen für den Neubau, die den Angaben zufolge schon vor zwei Jahren auf den Weg gebracht wurden, zu beschleunigen. «Wir werden jetzt alle Möglichkeiten, ob finanziell, organisatorisch oder planungstechnisch, ausschöpfen, um den Baustart vorzuziehen und beschleunigen zu können», teilte der Sprecher mit.

Zunächst sollten nun das geplante Baufeld im Areal Pragstraße freigemacht und die bislang dort angesiedelten Einheiten des Polizeipräsidiums Stuttgart und des Präsidiums Technik, Logistik und Service der Polizei woanders untergebracht werden. Anschließend seien der Neubau des Kriminaltechnischen Instituts (KTI) des LKA und anschließend der des LKA selbst vorgesehen. «Für den Neubau des KTI wurde beim Beschluss des Ministerrats mit Gesamtbaukosten bis in den mittleren dreistelligen Millionenbereich gerechnet», hieß es.

FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke kritisierte Strobl: «Die Neubaupläne des Innenministers sind durch und durch defizitär.» Weder die Finanzierung noch der einzuhaltende Zeithorizont seien geklärt. «Für die Steuerzahler bedeuten diese Pläne Belastung. Für die Kriminalitätsbekämpfung bedeuten sie Stillstand», teilte er am Sonntag mit und bezeichnete dies als «weiteren Fehlgriff» Strobls: «Seit Jahren ist die materielle Ausstattung der Polizei im Land defizitär.» Verantwortlich für Missstände wie den Stromausfall beim LKA, mangelhafte Schutzwesten und defekte Bodycams sei der Minister.