Puttrich: «So ein Flugunfall hinterlässt tiefe Spuren»
Nach dem Flugzeugabsturz in Hessen spricht die frühere CDU-Politikerin und Hobbyfliegerin Lucia Puttrich über Faszination und Gefahr beim Fliegen. «Wer den Himmel erobern will, muss ihn respektieren.»
Frankfurt (dpa/lhe) - Nach dem Flugzeugabsturz in Viernheim am Sonntag betont die langjährige Hobbyfliegerin Lucia Puttrich, bei aller Faszination des Fliegens dürfe man nie den Respekt vor dem Risiko verlieren. Das Hobby sei geprägt vom «Zauber des Blicks aus der Höhe und der Demut vor den Kräften, die dort oben wirken». Die frühere hessische Europaministerin hob mehr als 20 Jahre lang beim Fliegersportclub Roter Milan in Nidda ab.
«Wer den Himmel erobern will, muss ihn respektieren», erklärt die ehemalige CDU-Politikerin. Für sich hat Puttrich entschieden, nach mehr als zwei Jahrzehnten wegen einer Augenerkrankung nicht mehr selbst zu fliegen, erzählt sie und sagt: «Fliegen darf niemals zur Routine werden. Man muss immer Respekt haben und volle Aufmerksamkeit.»
Gerade dann, wenn man glaube, alles laufe automatisch, könne die Gefahr eines Unfalls wachsen. Jeder Flug verlange höchste Konzentration, unabhängig davon, wie lange und wie häufig jemand schon fliege.
Auf das Unglück in Viernheim reagierte Puttrich mit großer Betroffenheit. Sie will nicht darüber spekulieren, was die Ursache gewesen sein könnte. «Es macht mich traurig, dass Menschen, die meine Leidenschaft für das Fliegen geteilt haben, gestorben sind. So ein Flugunfall hinterlässt tiefe Spuren.» Ihr sei bewusst, dass es vielfältige Ursachen für ein Unglück geben könne. Was in diesem Fall genau passiert sei, habe nun das Luftfahrt-Bundesamt zu ermitteln.
Ehrlich zu sich selbst sein
Allgemein habe ihre Erfahrung sie gelehrt, dass in der Luft ständige Achtsamkeit geboten sei. Eine missglückte Landung oder ein schlechter Start zum Beispiel müsse Anlass sein, sich zu fragen: Woran hat es gelegen? Was kann beim nächsten Mal anders gemacht werden? Wer fliegt, müsse nicht nur aufmerksam bleiben, sondern auch ehrlich zu sich selbst.
So sei die mutigste Entscheidung manchmal, nicht abzuheben. Wetter und Bedingungen könnten einen Plan durchkreuzen, sagt Puttrich.
Gerade für Hobbyflieger, die nach Sichtflugregeln unterwegs seien, gebe es Situationen, in denen man etwas nicht tun könne, was man gerne tun wolle. Dann müsse man den Wunsch nach dem Flug zurückstellen, bevor man ein Risiko eingehe. Mut bedeute nicht, jede Grenze zu überschreiten. Mut könne auch heißen, umzukehren, zu warten oder das Flugzeug am Boden zu lassen.
Mehr Frauen ins Cockpit
In ihren mehr als 20 Jahren beim Verein Roter Milan sei sie lange Zeit die einzige aktive Frau gewesen. Geändert habe sich daran bislang leider nicht genug, sagt sie. Deshalb möchte sie Frauen ermuntern, selbst ins Cockpit zu steigen. Frauen sollten sich nicht darauf beschränken, rechts neben dem Piloten Platz zu nehmen, sondern sich ruhig an einen Flugschein wagen, meint die 65-Jährige.
«Von oben hat man eine völlig andere Perspektive auf die Welt. Man merkt, wie klein man selbst ist», beschreibt Puttrich die Faszination des Fliegens. Besonders beeindruckend sei für sie der Blick auf die Wolken von oben und auf die Gipfel der Alpen.