Sterilisation und Eiertausch: Städte suchen Tauben-Lösung
Stadttauben sind ein emotional oft heiß diskutiertes Thema. Hessens Städte wollen die Population der Tiere besser kontrollieren - und setzen auf verschiedene Ansätze.
Frankfurt/Kassel/Limburg (dpa/lhe) - Tauben gehören zum alltäglichen Erscheinungsbild in Hessens Kommunen. Viele Kommunen wollen ihre Population besser kontrollieren und verkleinern. Wie also umgehen mit den Vögeln? Und welche Möglichkeiten gibt es, den Bestand zu verringern? Eine Umfrage in einigen hessischen Städten.
Kassel mit Kampagne für Eiertausch
In Kassel wird - wie in anderen Städten auch - auf Eiertausch gesetzt. Gelegte Taubeneier werden gegen Exemplare aus Kunststoff oder Gips getauscht. Die Tauben brüteten weiter, jedoch schlüpften keine Jungtiere, erläutert die Stadt. Das sei neben betreuten Taubenschlägen und Aufklärungsarbeit für die Bevölkerung ein zentrales Element des Stadttaubenkonzepts. Auf Plakaten heißt es: «Kassel hat Eier. Und tauscht sie.».
«Mit der aktuellen Kampagne möchte die Stadt Kassel das Bewusstsein dafür stärken, dass Stadttauben verwilderte lebende Haustiere sind, für deren Situation der Mensch Verantwortung trägt», sagt Regina Emrich, Leiterin des städtischen Amts Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit.
«Wir verhindern Leid, bevor es beginnt», erklärt die Stadttaubenbeauftragte Victoria Kunze. «Ein nicht geschlüpftes Küken wird vor einem Leben voller Hunger, Krankheit und Gefahr bewahrt.» Der Eiertausch sei eine tierschutzgerechte und nachhaltige Methode, um die Population der Stadttauben langfristig zu stabilisieren. Die Zahl der Stadttauben in Kassel wird laut der Stadt auf derzeit auf etwa 1.500 bis 2.000 Tiere geschätzt. «Eine systematische Zählung ist demnächst geplant», sagte er.
Limburg lässt Tauben-Thema nach Wirbel ruhen
In Limburg hatte im letzten Jahr die geplante Tötung von Stadttauben für Aufregung gesorgt. Hintergrund ist ein Stadtverordnetenbeschluss zur Dezimierung der Taubenpopulation. Nach heftigem Widerspruch hatte die Stadt diese Pläne wieder aufgegeben.
Zuletzt wurden in Limburg zwei für Turm- und Wanderfalken geeignete Nisthilfen angebracht. Der Vorschlag dafür stammte von der Jungen Union Limburg, deren Vorsitzender mit Blick auf die Stadttauben eine «Lösungsfindung» unterstützen wollte. Die Stadt war einverstanden, machte aber auch deutlich, dass selbst im Falle einer Ansiedlung von Falken dies kaum ausreichen dürfte, um die ursprünglich angestrebte Verringerung der Population um 200 Tauben zu erreichen. Ziel sei vielmehr, die Arten- und Vogelvielfalt in der Stadt zu vergrößern. Derzeit sei das Tauben-Thema in Limburg «nicht aktuell», sagt eine Stadtsprecherin.
Frankfurt will Vasektomie der Täuber prüfen
In Frankfurt gibt es seit Mitte 2025 einen Taubenbeauftragten. Ziel sei, eine kleinere, gesündere Population aufbauen und sogenannte Tauben-Hotspots, etwa unter stark frequentierten Brücken, zu entschärfen, sagt Dominik Legrum.
In der Stadt gebe es bislang ein betreutes Taubenhaus, in dem sich Tauben zum Brüten ansiedeln könnten. Die meisten Stadttauben würden dagegen frei leben, etwa unter Brücken oder auf Balkonen, ihre Population sei deshalb weitestgehend unkontrolliert. Er betont aber auch: «Tauben gehören zu Frankfurt dazu.» Ziel sei der Aufbau eines Netzes betreuter Taubenhäuser in der Stadt, das den Tieren gute Lebensbedingungen ermögliche. Zugleich solle die Zahl durch den sogenannten Eiertausch reduziert werden.
Ferner nimmt die Stadt noch eine andere Möglichkeit in den Blick: «Derzeit in der Prüfung ist die Vasektomie der Täuber. Sie ist organisatorisch nicht leicht umzusetzen, hat aber wegen der Monogamie von Tauben das Potenzial, ein Brutpaar dauerhaft aus dem Reproduktionskreislauf herauszunehmen», sagt der Experte. Bei der Vasektomie - also einer Sterilisation - wird bei einer kleinen Operation der Samenleiter durchtrennt.
Unterdessen laufen in Wiesbaden gerade die Vorbereitungen für ein Vasektomie-Projekt. «Da die Planung eines solchen Projekts einen gewissen Aufwand erfordert, unter anderem durch die Anschaffung verschiedener medizinischer Geräte sowie die Einbindung mehrerer Beteiligter, befinden wir uns derzeit noch in der Vorbereitungsphase», teilt ein Sprecher der Stadt mit. Der Eiertausch sei weiterhin die wichtigste Säule des Gesamtkonzepts.
Darmstadt setzt auf betreute Taubenschläge
Die Stadt Darmstadt sieht zwar kein Taubenproblem, doch sei die Versorgung der Tiere, die ja ursprünglich von Menschen in die Städte gebracht worden seien, «noch immer nicht optimal gelöst», erklärte ein Sprecher. Bei der jüngsten Zählung seien 2025 rund 1.000 Tiere erfasst worden - einschließlich einer «Dunkelziffer», da nicht alle Tauben immer sichtbar seien.
Darmstadt will die Population tierschutzgerecht steuern und langfristig reduzieren. Hierzu setzt man unter anderem auf betreute Taubenschläge, mit denen sowohl die Bestandsentwicklung kontrolliert, als auch Konflikte im öffentlichen Raum verringert werden sollen. Die Tiere sollen darin artgerechtes Futter, Wasser und Nistmöglichkeiten finden. So würden die Tauben an die Schläge gebunden und ihre Eier regelmäßig gegen Gipsattrappen ausgetauscht. Die Suche nach geeigneten Gebäuden für einen Taubenschlag gestalte sich jedoch häufig schwierig, sagte der Sprecher.