Armut

Tafel-Kunden leiden unter Folgen von Inflation

Wegen Preissteigerungen sind immer mehr Menschen auf die Tafeln gegen Armut und Lebensmittelverschwendung angewiesen. Zugleich wird die Menge der angebotenen Waren geringer. Digitalisierung soll nun für eine effiziente Verteilung sorgen.

Ein Mitarbeiter gibt ein Brot in die Tasche einer Frau an der Brotausgabe in der Berliner Tafel. Foto: Carsten Koall/dpa
Ein Mitarbeiter gibt ein Brot in die Tasche einer Frau an der Brotausgabe in der Berliner Tafel.

Mannheim (dpa) - Inflation und gestiegene Energiepreise haben gravierende Einschnitte für die Kundschaft der Tafeln gegen Armut und Lebensmittelverschwendung zur Folge. Manche müssen ihren Gürtel noch enger schnallen, weil die Abgabemengen kleiner werden. Andere können das Angebot der überlaufenen Abgabestellen gar nicht erst wahrnehmen.

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Rund ein Drittel der fast 970 Tafeln verfügte nach Zahlen vom Verein Tafel Deutschland aus dem Jahr 2022 einen Aufnahmestopp für neue Kunden. Nahezu zwei Drittel mussten die Lebensmittelmenge je Haushalt verringern. Zugleich zieht mit einer neuen Plattform für gleichmäßige Lebensmittelverteilung die Digitalisierung bei den Tafeln ein.

«Die Tafeln sind ein Seismograph für gesellschaftliche Veränderungen», sagte Sabine Werth, die vor 30 Jahren in Berlin die erste Tafel Deutschlands gründete und seitdem dort den Vorsitz der Tafel innehat. Bei ihrem Bundestreffen vom 6. bis zum 8. Juli in Mannheim wählen die Delegierten der Tafeln einen neuen Vorstand. Verbandschef Jochen Brühl tritt nicht mehr an.

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine und den Preissteigerungen erleben die sozialen Institutionen einen regelrechten Run: 40 Prozent der Tafeln verzeichnen nach einer Umfrage aus dem Jahr 2022 rund 50 Prozent mehr Kunden, jede Fünfte sogar bis zu 100 Prozent. Darunter sind immer mehr Kunden aus dem Mittelstand, die durch Corona ihren Job verloren haben, in Kurzarbeit sind oder ihre Selbstständigkeit aufgeben mussten, wie Werth beobachtet hat.

Angesichts eines fast 70-prozentigen Rückgangs der von ehrenamtlichen Helfern abgeholten Waren rückt deren Verteilung in den Fokus. Dafür haben das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und Tafel Deutschland eine digitale Plattform entwickelt.

Ziel ist es, die derzeit jährlich etwa 237 000 Tonnen eingesammelten Lebensmittel gezielter an den Mann und die Frau zu bringen. «Bisher können einige Ausgabestellen den Konsumbedarf ihrer Kunden nicht decken, während die verfügbaren Spenden in anderen Ausgabestellen den Konsumbedarf übersteigen», erklärt Thilo Klein vom ZEW.

Die Plattform stellt alle Spendenströme in Echtzeit und zentral bereit. Der Bedarf der Ausgabestellen wird über einen Verteil-Algorithmus ermittelt. 44 Tafeln wenden laut ZEW diese digitale Lösung schon an, 75 bereiten sich darauf vor.