Prozess

Lebenslange Haft für Mörder von 89-Jähriger

Vier bis acht Minuten kniete er auf der gefesselten Seniorin und würgte sie zu Tode. Dann legte der Mann Feuer in ihrer Wohnung. Anschließend verließ er den Tatort. Nun wurde das Urteil im Mordprozess verkündet.

Akten liegen vor einem Prozess in einem Landgericht auf dem Tisch. Foto: Swen Pförtner/dpa/Symbolbild
Akten liegen vor einem Prozess in einem Landgericht auf dem Tisch.

Stuttgart (dpa/lsw) - Gefesselt und zu Tode gewürgt hat ein Mann eine 89 Jahre alte Seniorin. Das Landgericht Stuttgart verurteilte den Täter am Dienstag wegen Mordes mit Verdeckungsabsicht, Freiheitsberaubung und besonders schwerer Brandstiftung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Der zum Tatzeitpunkt 35 Jahre alte Mann habe vier bis acht Minuten auf der Seniorin gekniet und sie gewürgt, sagte der Richter. Zuvor habe er die Frau an Händen und Füßen mit Schals gefesselt und ihr fast alle Kleider vom Leib gerissen.

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Um die Tat Anfang Januar 2022 zu vertuschen, steckte der Mann an zwei Stellen die Wohnung in Brand. Dazu schraubte er die Rauchmelder ab und schloss alle Fenster und Rollläden. Eine Nachbarin bemerkte etwas später den Rauch und rief die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte fanden schließlich die Leiche der 89-Jährigen.

Auch eine Unterhose des Täters mit Spermaresten fanden die Ermittler in der Wohnung. Einen sexuellen Übergriff konnte das Gericht nicht feststellen. Anhand der Unterhose und weiteren DNA-Spuren in fast allen Räumen konnte die Schuld des Mannes bewiesen werden. Warum er die Seniorin ermordete, konnte das Gericht jedoch nicht herausfinden. Der Mann mit äthiopischer Staatsangehörigkeit sei voll schuldfähig, sagte der Richter.

Die Staatsanwaltschaft hatte auf eine lebenslange Freiheitsstrafe plädiert. Dagegen wollte die Verteidigung einen Freispruch erwirken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Az: 19 Ks 116 Js 6774/22)

Der Täter war als Asylbewerber nach Deutschland gekommen. Schon mehrmals war er straffällig geworden. Mit einer Pflegerin im sozialen Dienst hatte er eine Liebesbeziehung. So kam er zu einem Praktikumsplatz und Anstellungen im Pflegebereich. Doch die Beziehung ging langsam in die Brüche und der Täter begann laut Landgericht die Pflegerin zu belästigen. Diese war unter anderem auch für die Pflege der 89-Jährigen zuständig.

Wie üblich ging die Pflegerin am Morgen der Tat in die Wohnung der Seniorin und erledigte ihre Arbeit. Zur gleichen Zeit durchwühlte der Täter die Wohnung der Pflegerin und entwendete mehrere Schals von ihr. Mit diesen fesselte er später die 89-Jährige an Händen und Füßen. Nachdem die Pflegerin die Wohnung der Seniorin verlassen hatte, verschaffte sich der Mann auf unbekannte Weise Zutritt. Dann ermordete er die 89-Jährige.

Nach der Tat stieg der Mörder in eine Regionalbahn Richtung Ravensburg. Da er keinen 3G-Nachweis mit sich führte, verwies eine Schaffnerin ihn schon bei Ulm dem Zug. In Ulm nahm er sich mit einem Freund ein Hotelzimmer. Dort sollen die beiden laut Gericht Marihuana und Kokain konsumiert haben. Wenige Tage später kehrte der Mann wieder nach Stuttgart zurück. Etwa zwei Wochen nach der Tat verhaftete ihn die Polizei. Seitdem war er in Untersuchungshaft.