Investorpleite

Unklarheit über altes Frankfurter Polizeipräsidium

Das alte Polizeipräsidium in Frankfurt steht seit mehr als 20 Jahren leer und gilt als eines der größten Bauprojekte der Stadt. Doch wegen der Insolvenz des Projektentwicklers Gerch steht das Areal vor einer ungewissen Zukunft.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Nach dem Insolvenzantrag des Entwicklers für das Gelände des alten Polizeipräsidiums in Frankfurt herrscht Unklarheit über die Folgen für das Großprojekt. Weder die Stadt noch das Düsseldorfer Unternehmen Gerch äußerten sich am Freitag zu möglichen Konsequenzen für die Bebauung. Anfragen blieben zunächst unbeantwortet. Das Land Hessen hatte das Areal im März 2018 für gut 212 Millionen Euro an Gerch verkauft. Für das Land habe der Insolvenzantrag keine Konsequenzen, und der Kaufpreis sei vollständig bezahlt worden, teilte das Finanzministerium auf Anfrage mit.

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Gerch hatte geplante Vorhaben von rund vier Milliarden Euro und musste wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag stellen. Dem Unternehmen machen nach eigenen Angaben der Zinsanstieg, die Inflation und die Zurückhaltung von Immobilienkäufern zu schaffen. Der Geschäftsbetrieb laufe uneingeschränkt weiter, hieß es. Im Zuge der Sanierung in Eigenverwaltung seien Gespräche mit allen Projekt- und Finanzierungspartnern geplant. Gerch will nach eigenen Angaben trotz der Krise alle Immobilienprojekte umsetzen

Auf dem Areal des alten Polizeipräsidiums, das seit 2002 leersteht und wo schon eine «Tatort»-Folge gedreht wurde, sollte ein modernes Viertel mit Büros, Einkaufsflächen und einem Wohnturm entstehen. Das Gelände in der Nähe von Hauptbahnhof und Messe umfasst 15,4 Hektar und gilt als eines der größten Bauprojekte Frankfurts. 2027 sollte das Areal bezugsfertig sein.

Erst im März hatten die Stadt Frankfurt und Gerch mit einem städtebaulichen Vertrag Vereinbarungen über die künftige Nutzung geschlossen. Geplant waren unter anderem der Bau einer Kita, die der Stadt 30 Jahre kostenfrei zu überlassen ist und die Errichtung von Wohnungen mit einer Fläche von mindestens 40.000 Quadratmetern, davon 30 Prozent öffentlich gefördert.

Nun ist unklar, ob Gerch das Projekt weiterführen kann oder es an ein anderes Unternehmen verkaufen muss, das womöglich andere Vorstellungen hat. Das hätte nach Einschätzung von Experten erhebliche Verzögerungen zur Folge. Zumindest für die Gewerbesteuereinnahmen hat die Insolvenz von Gerch keine Konsequenzen, da die Gruppe in Düsseldorf sitzt, wie ein Sprecher des Frankfurter Finanzdezernats erklärte.