Prozesse

Urteil um Brudermord in Afghanistan in Hanau erwartet

Am Landgericht Hanau steht ein 70-Jähriger vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, seinen Bruder in Afghanistan erschossen zu haben. In dem Mammutprozess wird nun das Urteil erwartet.

Ein Brudermord, der sich vor mehr als elf Jahren in Afghanistan zugetragen haben soll, wird seit knapp einem Jahr vor dem Schwurgericht in Hanau untersucht. (Archivbild) Foto: Michael Bauer/dpa
Ein Brudermord, der sich vor mehr als elf Jahren in Afghanistan zugetragen haben soll, wird seit knapp einem Jahr vor dem Schwurgericht in Hanau untersucht. (Archivbild)

Hanau (dpa/lhe) - Im Prozess um einen Brudermord, der in Afghanistan verübt worden sein soll, wird am Montag (13.00 Uhr) am Landgericht Hanau voraussichtlich das Urteil verkündet. Ein 70-jähriger Afghane ist angeklagt, der im Oktober 2015 in der Stadt Kandahar seinen jüngeren Bruder erschossen haben soll. 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, heimtückisch und aus Habgier gehandelt zu haben. Hintergrund sollen Erbstreitigkeiten um Grundstücke gewesen sein. Dabei stützt sich die Anklage vor allem auf die Aussage eines 22-jährigen Zeugen, der als damals Elfjähriger die Tat mitangesehen haben soll. Der Angeklagte hat die Anschuldigung in dem seit fast einem Jahr laufenden Prozess zurückgewiesen.

Ins Rollen kam der Prozess, weil der Sohn und die Tochter des Getöteten ihren Onkel zufällig in einer Moschee in Frankfurt wiedererkannt hatten - der 70-Jährige hatte zuletzt im Hanauer Stadtteil Großauheim gelebt. Der Prozess findet in Deutschland statt, weil es im Strafgesetzbuch einen Paragrafen gibt, der die «stellvertretende Strafrechtspflege» ermöglicht. Da in Afghanistan nach Auffassung der deutschen Behörden keine rechtsstaatlichen Strafverfahren möglich sind, wurde der Grundsatz der Tatort-Zuständigkeit der Gerichte in diesem Fall aufgehoben.

Immer top informiert mit dem WNOZ-WhatsApp-Kanal!

Breaking News, spannende Hintergründe und Newsletter: Mit unserem WhatsApp-Kanal bleiben Sie stets über Weinheim, den Odenwald und die Metropolregion informiert.

Impressum