Marburg

Warnstreik am Uniklinikum: Auftakt von dreitägigen Aktionen

«Wir sind keine Kostenverursacher! Wir sorgen für Leib und Wohl!» steht auf einem Banner während einer Kundgebung am Standort Marburg des Klinikums.) Foto: Christian Lademann/dpa
«Wir sind keine Kostenverursacher! Wir sorgen für Leib und Wohl!» steht auf einem Banner während einer Kundgebung am Standort Marburg des Klinikums.)

Marburg (dpa/lhe) - Beschäftigte des Uniklinikums Gießen und Marburg (UKGM) sind am Dienstag zum Start mehrtägiger Aktionen in den Warnstreik getreten. Den Auftakt machten mit Beginn der Frühschicht am Morgen Mitarbeitende von nicht-ärztlichen Bereichen wie Pflegekräfte sowie Beschäftigte therapeutischer Fachrichtungen und der Radiologie, die ganztägig die Arbeit niederlegten. Aufgerufen dazu hatte die Gewerkschaft Verdi, die mit den Aktionen Druck machen will auf die laufenden Tarifverhandlungen für das nicht-ärztliche Personal des Klinikums. Die UKGM-Geschäftsführung kritisierte den Warnstreik, der auch zu Einschränkungen im Klinik-Betrieb führte, als «vollkommen unnötig».

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Nach Angaben von Verdi-Gewerkschaftssekretär Fabian Dzewas-Rehm beteiligten sich mehrere hundert Beschäftigte an einer Kundgebung und einem Demonstrationszug um das Gebäude. In Redebeiträgen sei es vor allem um die Notwendigkeit einer besseren Bezahlung gegangen, um mehr Personal für das Klinikum gewinnen zu können, sagte Dzewas-Rehm. An diesem Mittwoch sollen die Aktionen mit je ganztägigen Warnstreiks an beiden Standorten und einer gemeinsamen Demonstration in Gießen fortgesetzt werden, und auch für Donnerstag ist ein Warnstreik geplant, dann ausschließlich für den Standort Gießen. 

Planbare Operationen werden nach Angaben von Dzewas-Rehm während der Arbeitsniederlegungen verschoben, es seien Notdienstvereinbarungen geschlossen worden. Auch die nächste Verhandlungsrunde am kommenden Montag (19. Februar) wird von Arbeitsniederlegungen an beiden Standorten begleitet, allerdings in etwas geringerem Umfang, wie Dzewas-Rehm sagte.  

Die Gewerkschaft fordert für die rund 7000 nicht-ärztlichen Beschäftigten des privatisierten Uniklinikums 11 Prozent, mindestens jedoch 600 Euro mehr Lohn. Das UKGM ist das nach eigenen Angaben drittgrößte Universitätsklinikum Deutschlands. An den zwei Standorten werden jährlich rund 436 000 Patienten in 80 Kliniken mit zusammen 2230 Betten versorgt.

Der Vorsitzende der UKGM-Geschäftsführung, Gunther Weiß, erklärte, der Warnstreik helfe niemandem weiter, «er schadet nur den Patientinnen und Patienten». Die Tarifparteien befänden sich «längst» in konstruktiven, zielführenden Verhandlungen: «Wir haben bereits im Dezember vergangenen Jahres ein faires Angebot vorgelegt und sind bereit, bei der nächsten, bereits terminierten Verhandlungsrunde am 19. Februar zu einem vernünftigen, tragfähigen Kompromiss zu kommen.» Ein Streik könne zur Einigungsfähigkeit und -bereitschaft nichts beitragen. Auch die Gewerkschaft wisse, «dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des UKGM nicht überstrapaziert werden darf», so Weiß

Im Frühjahr vergangenen Jahres hatten sich die Gewerkschaft Verdi und die UKGM-Klinikleitung nach einem mehrwöchigen Streik auf den nach Verdi-Angaben bundesweit ersten Entlastungstarifvertrag in einem privaten Krankenhaus geeinigt, der Ende Januar dieses Jahres unterzeichnet wurde. Ziel war eine Verbesserung der Arbeitssituation in allen Bereichen des Klinikums sowie die Gewinnung zusätzlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.