Warnstreiks an Unikliniken – Verhandlungen ohne Annäherung
Warnstreiks an vier Unikliniken: Die Tarifverhandlungen bleiben schwierig. Worum es im Streit zwischen Verdi und Arbeitgebern geht – und welche Folgen Patienten spüren könnten.
Stuttgart (dpa/lsw) - Begleitet von Warnstreiks sind in Stuttgart die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten an den vier Universitätskliniken in die dritte Runde gegangen. Ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi sagte, von einer Einigung mit dem Arbeitgeber sei man noch weit entfernt. Vor dem Verhandlungslokal hatten sich rund 150 Beschäftigte aus allen vier Kliniken zu einer Protestkundgebung versammelt.
Verdi hatte die Beschäftigten an den Kliniken in Freiburg, Heidelberg, Ulm und Tübingen zu mehrtägigen Warnstreiks aufgerufen. Im Freiburg und Ulm am Montag, Dienstag und Mittwoch, in Heidelberg und Tübingen am Montag und teilweise am Mittwoch.
Verdi: «Die Leute sind sauer»
Patientinnen und Patienten mussten sich wegen des Warnstreiks wohl auf Einschränkungen einstellen. Die Notfallversorgung ist nach Angaben der Gewerkschaft immer gewährleistet. Man rechne aber damit, dass an den Kliniken zahlreiche OP-Säle geschlossen bleiben müssten. Auch sei damit zu rechnen, dass nicht alle Betten belegt werden könnten.
Die Gewerkschaft rechnete mit einer starken Beteiligung an der Streikaktion. «Die Arbeitgeber haben alles getan, damit die Leute sauer sind. Wir gehen davon aus, dass wir mehr Streikende haben werden als bei den Streiktagen davor», sagte Verdi-Verhandlungsführer Jakob Becker. Die Arbeitgeber wollten Reallohnverluste für fast drei Jahre festschreiben, eine Option auf eine 45-Stunden-Woche, eine Jahressonderzahlung an Krankentage koppeln und den Schutz bei drohendem Personalabbau verschlechtern, so die Kritik des Gewerkschafters.
Arbeitgeber verweisen auf schlechte Finanzlage
Hintergrund des Ausstands sind die Tarifverhandlungen für rund 26.000 Beschäftigte der vier Unikliniken. Verdi fordert 7,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 320 Euro zusätzlich pro Monat für die Beschäftigten. Auszubildende sowie Praktikantinnen und Praktikanten sollen monatlich 250 Euro mehr erhalten. Zudem verlangt die Gewerkschaft für Azubis einen Mobilitätszuschuss in Höhe des Deutschlandtickets.
Die Arbeitgeber hatten in der zweiten Verhandlungsrunde ein Angebot vorgelegt, das unter anderem eine Einmalzahlung von 400 Euro und eine Gehaltssteigerung von 4,75 Prozent in drei Schritten vorsieht. Die Arbeitgeber verweisen auf die schwierige Finanzlage der Kliniken und auf erwartete Auswirkungen der Gesundheitsreform der Bundesregierung.