Nach schwerem Unfall

Wie oft führen medizinische Notfälle zu Unfällen?

In Hofgeismar fährt ein Mann in eine Fußgängerzone, acht Menschen werden verletzt. Auslöser ist ein gesundheitliches Problem. Was weiß die Unfallforschung über solche Fälle?

Am vergangenen Freitag fuhr ein Mann nach einem medizinischen Notfall in Hofgeismar in eine Fußgängerzone. (Archivbild) Foto: ---/HessenNewsTV/dpa
Am vergangenen Freitag fuhr ein Mann nach einem medizinischen Notfall in Hofgeismar in eine Fußgängerzone. (Archivbild)

Hofgeismar (dpa/lhe) - Dass ein medizinischer Notfall zu einem Verkehrsunfall führt, ist laut Unfallforschern selten. Die Wahrscheinlichkeit steigt aber mit zunehmendem Alter. 

In Hofgeismar war am vergangenen Freitag ein 68-Jähriger in eine Fußgängerzone gefahren, acht Menschen wurden bei dem Unfall leicht verletzt. Auslöser war laut Polizei ein medizinischer Notfall. Um welche Art Notfall es sich in dem konkreten Fall handelte, gibt die Polizei nicht bekannt.

Schwächeanfall, Herzinfarkt, epileptischer Anfall

«Unfälle aufgrund plötzlicher Gesundheitsstörungen sind insgesamt selten», sagte die Leiterin Unfallforschung der Versicherer, Kirstin Zeidler, der Deutschen Presse-Agentur. «Ältere sind stärker betroffen.» 

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Eine Analyse von rund 550 Unfällen aus der Unfalldatenbank der Versicherer zeigt die Altersabhängigkeit: Bei 35- bis 55-Jährigen hatten ein Prozent der Unfälle medizinische Ursachen, bei Menschen über 75 Jahre waren es vier Prozent. 

«Typisch für diese sogenannten plötzlichen Gesundheitsstörungen sind etwa Schwächeanfall oder Bewusstlosigkeit (insbesondere bei Diabetikern), Herzinfarkt und epileptischer Anfall», sagt Zeidler. Zahlen, welche Gesundheitsprobleme wie häufig sind, gibt es nicht.

«Körperliche und geistige Mängel» bei Senioren

Der Unfallforscher Siegfried Brockmann hat sich für die Björn Steiger Stiftung Unfälle von Senioren genauer angesehen. Ausgewertet wurden 230.000 polizeilich aufgenommene Unfalldaten von 2021 bis 2024. 

«Körperliche und geistige Mängel» waren demzufolge in höherem Alter die zweithäufigste Unfallursache – nach Missachten der Vorfahrt. In der Altersgruppe 65 bis 74 Jahre waren sie für 11 Prozent der Unfälle verantwortlich, bei 75- bis 84-Jährigen für 13 Prozent, bei noch älteren Menschen für 17 Prozent. 

«Die Detailanalyse zeigte, dass darunter nur sehr selten kognitive Probleme verstanden wurden», heißt es in der Studie. «Ein beachtlicher Teil der unfallrelevanten Beeinträchtigungen im Alter sind medizinischer Natur – darunter akute Kreislaufstörungen, Ohnmacht, Unterzuckerung, Herzinfarkt oder Schlaganfall.»

Wie kann man solche Unfälle verhindern? 

Welche Möglichkeiten sieht Zeidler, Unfälle wie den in Hofgeismar zu verhindern? «Verhindern ließen sich solche Unfälle mit Assistenzsystemen, die im gesundheitlichen Notfall Fahrzeuge automatisch anhalten. Sie sollten in allen Fahrzeugen verpflichtend sein», so die Unfallforscherin. Sicherheitstechnik könne auch Unfälle beim Anfahren verhindern, wenn sich Personen oder Gegenstände im Fahrtweg befinden. 

Brockmann sieht für die Früherkennung die Hausärzte in einer Schlüsselstellung. Gute Dienste könnten sogenannte «Wearables» leisten, die Vitalwerte messen. «Idealerweise könnten jedoch Fahrzeuge selbst durch Lenkradsensoren, Kamerabeobachtung des Fahrers und Spurhalteassistenten rechtzeitig Notfälle erkennen und das Fahrzeug zum sicheren Halt führen.»