Katholische Kirche

Wilmer kritisiert «Schlechtreden» Deutschlands

Kurz vor einem Treffen der katholischen Bischöfe hat sich der Vorsitzende, Heiner Wilmer zur aktuellen politischen Lage geäußert. Er kritisiert Rechts-, aber auch Linkspopulismus.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, wendet sich gegen ein «Schlechtreden» Deutschlands. Foto: Florian Wiegand/dpa
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, wendet sich gegen ein «Schlechtreden» Deutschlands.

Fulda (dpa) - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hat sich gegen ein «Schlechtreden» Deutschlands gewandt. «Wir erleben einen Rechtsruck in Deutschland, auch in ganz Europa. Das Schlechtreden des Landes stimmt mich kritisch», sagte Wilmer vor Beginn der diesjährigen Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe in Fulda. «Unser Land ist besser, als es geredet wird. Ich habe großen Respekt vor den Politikerinnen und Politikern, die alles daran geben, damit wir hier gut leben, damit wir ein offenes Land sind, in dem es Platz gibt für alle.» 

Die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Berlin seien ein «klarer Warnhinweis», sagte Wilmer. Sie seien von Populismus von rechts und von links geprägt gewesen. Er konstatierte: «Wir haben es zu tun mehr und mehr mit einem wachsenden Antisemitismus, und ich sage ganz klar: Antisemitismus ist Sünde.» 

Wilmer ergänzte: «Und neuerdings Populismus von links: Es kann natürlich nicht sein, dass wir über eine Reduktion bei den Polizeikräften sprechen.» Im Wahlprogramm der Berliner Linken hatte es geheißen, die Polizeiarbeit solle «wo immer möglich, durch soziale Arbeit ersetzt oder ergänzt werden».

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Auf die Frage, ob Wilmer ein AfD-Verbotsverfahren unterstütze, sagte der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, die Bischöfe vertrauten darauf, dass die Verfassungsorgane diese Frage richtig entscheiden würden. «Es liegt nicht an der Kirche, ein solches Verfahren zu fordern», sagte Kopp. 

Finanzielle Unterstützung anderer Bistümer ist «schwieriges Thema»

Wilmer wollte sich nicht dazu äußern, ob und inwieweit andere Bistümer das Bistum Magdeburg finanziell unterstützen würden, falls eine von der AfD geführte Landesregierung in Sachsen-Anhalt den Einzug der Kirchensteuer beenden würde. «Schwieriges Thema - über das Thema sprechen wir schon», sagte Wilmer. Er wolle sich dazu aber öffentlich zurückhalten. Allgemein gelte aber, dass eine gute Solidarität unter den deutschen Bistümern erforderlich sei. 

Die Bischöfe beschäftigen sich bei ihrer bis Donnerstag dauernden Tagung unter anderem mit der Rolle der Künstlichen Intelligenz. Wilmer sagte, die KI werde ein «Jahrhundert-Thema» sein. «Die KI wird uns so beschäftigen wie die Frage der Industriellen Revolution - wahrscheinlich in den Auswirkungen für die Menschheit heftiger als die Industrielle Revolution.» Es sei nicht geplant, den Pfarrern Anweisungen zu geben, inwieweit sie KI etwa für Predigten nutzen dürfen. «Wir werden uns mit Handlungsanweisungen an die Pfarrer zu KI, was sie predigen, essen, anziehen oder in welche Städte sie in Ferien fahren können, zurückhalten», sagte Wilmer.