Außenhandel

Wirtschaft fordert faire Wettbewerbsbedingungen mit China

Die erste Auslandsreise des neuen chinesischen Ministerpräsidenten Li Qiang führt nach Deutschland. Auch mit dem Ziel, die wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen. Die Südwest-Wirtschaft drängt auf gleiche Wettbewerbsbedingungen für deutsche und chinesische Unternehmen.

Die Flaggen von Deutschland, China und der EU wehen zum Auftakt des Deutschland-Besuchs. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Die Flaggen von Deutschland, China und der EU wehen zum Auftakt des Deutschland-Besuchs.

Stuttgart (dpa/lsw) - Vor dem deutsch-chinesischen Regierungstreffen in Berlin hat die Südwest-Wirtschaft bessere Bedingungen für deutsche Unternehmen angemahnt. «Wenn wir aktuell in China investieren wollen, gibt es viele staatliche Beschränkungen», sagte der Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags, Christian Erbe. Investitionen würden genau geprüft - und am Ende oft abgelehnt. In Deutschland sei das nicht der Fall.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

«Wir fordern gleiche Wettbewerbsbedingungen. Wenn es chinesischen Unternehmen gestattet wird, hier zu investieren, sollten das unsere Firmen auch in China dürfen», sagte Erbe. Eine Entkopplung von China hält der BWIHK-Cherf jedoch für unrealistisch: «Wer sich aus dem chinesischen Markt verabschiedet, verabschiedet sich sukzessive auch aus dem Weltmarkt. Weil China zu dominant ist». Die Wirtschaft in Südwesten müsse sich aber unabhängiger machen.

Zum Beispiel indem deutsche Unternehmen in China nur für den dortigen Markt produzieren - und nicht für die gesamte Region. China erwarte eine gewisse Wertschöpfung im eigenen Land, unter anderem wenn es um staatliche Ausschreibungen gehe, sagte Erbe. Es liege zwar nahe, dort dann auch gleich für den südostasiatischen Raum zu produzieren. Er empfehle aber, die Produktion für Südostasien in ein anderes Land zu verlegen, zum Beispiel nach Indien oder Vietnam.

«Das wäre eine Maßnahme, um nach wie vor in China aktiv zu sein, auch aktiv sein zu dürfen, aber die Abhängigkeit vom chinesischen Markt und auch der chinesischen Wirtschaftspolitik zu minimieren», sagte Erbe. Zusätzlich könne man sich andere Märkte etwa in Lateinamerika erschließen, um das unternehmerische Risiko zu verkleinern.

China ist einer der wichtigsten Handelspartner Baden-Württembergs. 2022 exportierten Unternehmen aus dem Südwesten Waren im Wert von mehr als 20 Milliarden Euro in das Land. Das entsprach nach Angaben des Statischen Landesamtes fast acht Prozent aller Ausfuhren. Bei den Importen lag China zuletzt auf Platz eins. Hier wurden demnach Waren im Wert von rund 39 Milliarden Euro aus China eingeführt - 15 Prozent aller Importe. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sind etwa 6000 Unternehmen aus dem Südwesten in China tätig.

Der neue chinesische Regierungschef Li Qiang ist seit Montag zu einem Besuch in Deutschland. Am Dienstag trifft er sich mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Ministern beider Seiten in Berlin. Der BWIHK ist der Dachverband der Industrie- und Handelskammern im Südwesten und vertritt nach eigenen Angaben etwa 650 000 Unternehmen.