Appell an Menschen

Wolf verhält sich auffällig - und soll umtrainiert werden

Letzte Chance für den Hornisgrindewolf? Fachleute sind sich einig, dass eine Attacke auf Menschen unvorhersehbar ist. Doch sie wollen nochmal versuchen, ihn in die Tiefen des Schwarzwalds zu treiben.

Wölfe halten eigentlich Abstand zu Menschen. (Symbolbild) Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Wölfe halten eigentlich Abstand zu Menschen. (Symbolbild)

Seebach (dpa/lsw) - Auch nach der Abschussgenehmigung wollen Fachleute weiter versuchen, den verhaltensauffälligen Wolf auf der Hornisgrinde von Menschen abzuhalten. «Wir sind uns einig, dass wir nichts unversucht lassen wollen und in den kommenden Wochen schauen, ob es doch noch eine Chance gibt, dieses schon ausgewachsene Tier umzutrainieren», sagte der Leiter des Nationalparks Schwarzwald, Berthold Reichle, laut Mitteilung. Vergrämen nennen die Experten dieses Vorhaben. Details dazu blieben zunächst offen.

Sollten diese letzten Versuche gelingen, werde der Wolf in den Tiefen des Schwarzwaldes verschwinden. Jedoch verwies der Nationalpark auf Expertenprognosen, die bezweifeln, dass ein ausgewachsenes Tier umzutrainieren sei.

Menschen sollen Abstand halten 

«Jeder Mensch, der sich ihm freundlich nähert, wird das Umtrainieren zunichtemachen», sagte Urs Reif, Abteilungsleiter Flächenmanagement im Nationalpark. In den vergangenen Wochen seien immer wieder Sichtungen berichtet worden, auch außerhalb der Paarungszeit.

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Der Hornisgrindewolf kommt Spaziergängern - besonders jenen mit Hunden - seit mehr als drei Jahren zum Teil zu nahe und folgt ihnen oft im Abstand von unter 30 Metern. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, den Rüden mit einem Sender auszustatten und zu vertreiben, hatte das baden-württembergische Umweltministerium Anfang des Jahres eine Abschussgenehmigung erteilt. Diese ist seit Mitte März, mit dem Ende der Paarungszeit, ausgesetzt.

Vor allem in der Nationalparkregion hatte das Empörung ausgelöst: Lokale Gruppen hielten Mahnwachen ab und liefen abends durch den Wald, um den Wolf zu schützen. Gerichte bestätigten jedoch die Abschusserlaubnis.

Experten einig: Verhalten nicht normal 

Der Wolf ist den Angaben nach noch nie übergriffig geworden. «Wir haben uns in den vergangenen Monaten auch mit Experten in Deutschland und Europa ausgetauscht und ihre Einschätzung eingeholt - alle sind sich einig, dass das Verhalten dieses Wolfes nicht normal ist und letztlich nicht vorhersehbar ist, ob und wann sich das Verhalten ändern und es doch zu einem Übergriff kommen kann», sagte Wildtiermanager Raffael Kratzer. 

Das Ob hänge dabei auch von dem Verhalten der Menschen ab, hieß es. Versuche, den Wolf für Fotos oder Videos aufzuspüren oder ihn im schlimmsten Fall - verbotenerweise - zu füttern, seien absolut kontraproduktiv.

Entscheidung über Abschuss offen

Seit der Änderung des Jagdrechts ist das Landwirtschaftsministerium für den Wolf zuständig. Diesem ist die Forstliche Versuch- und Forschungsanstalt untergeordnet, die das landesweite Monitoring zum Wolf koordiniert. Mit dieser ist der Nationalpark den Angaben zufolge in engem Austausch. Er will im Internet, etwa auf Instagram und Youtube, noch mehr über den Wolf aufklären.

Nähert sich der Wolf weiterhin Menschen und nimmt das 2027 mit Beginn der Ranzzeit sogar zu, wird das Ministerium entscheiden müssen, ob es den Rüden wieder zum Abschuss freigibt. «Dann geht es für uns auch darum, die Zukunft der Wölfe in Deutschland insgesamt zu schützen», so Reichle. Die werde es nur geben, wenn sich Wölfe und Menschen nicht gefährlich nahekommen.