Weinheim

DBS-Eltern verschicken Brandbrief: "Wie der Elefant im Porzellanladen!"

Nach dem Eklat um den geschassten Vertrauenslehrer, schicken die Elternbeiratsvorsitzenden scharfe Kritik nach Karlsruhe. "Ihr Vorgehen in solch einer Krise ist an Dilettantismus kaum zu überbieten", schreiben sie.

Mehr Transparenz: Das wurde nicht nur bei der Schülerdemo gefordert. Auch die Eltern pochen fünf Wochen nach dem Protest auf Antworten. Foto: Marco Schilling
Mehr Transparenz: Das wurde nicht nur bei der Schülerdemo gefordert. Auch die Eltern pochen fünf Wochen nach dem Protest auf Antworten.

Die Geduld in der aufgerüttelten Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) ist offensichtlich erschöpft. Nachdem ein Schülerprotest gegen die Zwangsversetzung des beliebten Vertrauenslehrers Peter Plattmann die tiefen Gräben zwischen Akteuren und Leitung offenlegte, bleibt eine Entspannung im aufgerüttelten Schulleben bislang aus. Im Gegenteil: Am Dienstag sorgte das Karlsruher Regierungspräsidium (RP) mit der unvermittelten Nachricht, dass Plattmann die DBS verlassen muss, für eine Welle der Entrüstung. Nun richten sich Eltern mit einem Brandbrief ans RP: "Ihr Vorgehen in solch einer Krise ist an Dilettantismus kaum zu überbieten", heißt es in dem Schreiben, das von Elternbeiratsvorsitzenden Tim Hallbauer und Ute Neuffer-Mattheis unterzeichnet wurde.

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"Dann ließ es gestern die Bombe platzen"

Dabei sah es zunächst gut aus. Bereits unmittelbar nach der Demonstration zahlreicher Schüler am 25. Oktober reisten Vertreter des RP an. Gespräche fanden statt, die auch in den kommenden Tagen fortgeführt wurden. Die Leitende Regierungsschuldirektorin Dagmar Ruder-Aichelin tauschte sich unter anderem mit Personalrat, Lehrern und Co. aus, auch mit den Eltern hatte sie kurz Kontakt. "Wir hatten das Gefühl, das Regierungspräsidium will die Situation mit ruhiger Hand entspannen", sagt Tim Hallbauer im Gespräch mit der WN/OZ. Selbst in der Personalie Plattmann gab es Hoffnung. "Dann ließ es gestern die Bombe platzen und hat die Lage ins Gegenteil umgekehrt."

Rund 80 Schüler protestierten vor vier Wochen für ihren Lehrer. Weitere wollten sich anschließen, wurden jedoch in die Klassenzimmer zurückgeschickt. Foto: Marco Schilling
Rund 80 Schüler protestierten vor vier Wochen für ihren Lehrer. Weitere wollten sich anschließen, wurden jedoch in die Klassenzimmer zurückgeschickt.

Im Brandbrief der Eltern machen diese ihrem Unmut Luft. Demnach versuchten die Beiratsvorsitzenden Hallbauer und Neuffer-Mattheis in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder an das RP heranzutreten, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Jetzt, nach dem plötzlichen Schassen des Vertrauenslehrers, sei man sprachlos. "Mit dem derzeitigen Kenntnisstand haben wir den Eindruck, dass Sie das Kollegium, die Eltern, die Schüler und die Schulleitung sich alleine ihrem Schicksal überlassen. Was glauben Sie, was diese Entscheidung bei allen Betroffenen auslöst?" Der Schulfrieden, den alle gewollt hätten, sei in weite Ferne gerückt.

Intensive, vertrauliche Gespräche

Lilly Börstler, Sprecherin des Regierungspräsidiums, zeigte auf Anfrage Verständnis an dem öffentlichen Interesse, dass das RP sein Handeln transparent macht: "Die Vertraulichkeit ist aber ein hohes Gut und Grundlage dafür, um zu tragfähigen Lösungen zu kommen." Man führte und führe intensive, vertrauliche Gespräche mit dem Ziel "einer konstruktiven Befriedung der Situation". Über das Ergebnis dieser Gespräche werde das RP – soweit dies unter personalrechtlichen Gründen möglich sei – zu gegebener Zeit informieren.

Ein großer Teil der Fragen unserer Redaktion blieb damit unbeantwortet. Auch auf wiederholte Nachfrage äußert sich das RP nicht zu dem Anliegen der Eltern, ob es eine reelle Chance gibt, die Abordnung von Lehrer Plattmann noch einmal zu überdenken. Ebenso werden keine Angaben gemacht, welche konkreten Maßnahmen geplant sind, um den Schulfrieden wiederherzustellen.

Alleinige Entscheidung des RP

Sprecherin Börstler betont jedoch, dass die Entscheidung der Abordnung von Lehrer Plattmann alleinige Entscheidung des Regierungspräsidiums Karlsruhe als personalverwaltende Dienststelle und nicht der Schulleitung war: "Frau Üstünel-Hartbauer hat eine Abordnung weder gefordert noch initiiert." Dies sagt Börstler vor dem Hintergrund, dass die Prüfung der Versetzung des Lehrers eingeleitet wurde, kurz nachdem er die gesammelte Kritik von Lehrern, Eltern und Schülern gegen die Schulleitung hervorgebracht hatte.

Der gute Ruf der Schule hat zuletzt stark gelitten. Foto: Fritz Kopetzky
Der gute Ruf der Schule hat zuletzt stark gelitten.

Eine erneute Anfrage der WN/OZ bei der Schulleiterin blieb wie vergangene Anfragen unbeantwortet. So äußerte sie sich nicht zu der vorgetragenen Kritik von Eltern und Schülern oder dazu, ob die Beanstandungen Einfluss auf die zukünftige Vorgehensweise an der DBS haben. Neben der Intransparenz wurden eine Überregulierung des Schullebens, nicht nachvollziehbare Verhaltensweisen und mangelnde Gesprächsbereitschaft bemängelt. Ebenso wie vom RP gab es keine Antwort auf die Frage, welche konkreten Schritte geplant sind, um den Schulfrieden wiederherzustellen. Auch wie die Lücken geschlossen werden sollen, die Vertrauenslehrer Plattman in Bereichen wie Streitschlichtung, Prävention und etwa der Organisation von Projekttagen hinterlässt, war nicht zu erfahren.

Skeptische Perspektive

Die Elternvertreter blicken mittlerweile pessimistisch in die Zukunft. Vor allem auch, was die Zusammenarbeit zwischen Leitung und Kollegium anbelangt: "Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass dieses Verhältnis wieder geglättet werden kann. Da rumort es schon sehr durch die große Unzufriedenheit", meint Co-Elternbeiratsvorsitzender Tim Hallbauer.

Vertrauenslehrer Plattmann hat am Freitag seinen vorerst letzten Arbeitstag an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule. Bereits am Montag soll er seinen Dienst an einem anderen Gymnasium in der Rhein-Neckar-Region aufnehmen.