Oktoberfest 2026

KI-Kameras und neue Konzepte: Wiesn-Sicherheit verstärkt

Ein überfülltes Festgelände, Panik - und ganz viel Glück. Das Oktoberfest ist im vergangenen Jahr womöglich knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Das soll nicht noch mal passieren.

Im vergangenen Jahr kam es kurzzeitig zur Überfüllung des Festgeländes. (Archivbild) Foto: Felix Hörhager/dpa
Im vergangenen Jahr kam es kurzzeitig zur Überfüllung des Festgeländes. (Archivbild)

München (dpa) - Nach Schockmomenten auf der überfüllten Wiesn im vergangenen Jahr soll nun einiges anders werden auf dem Oktoberfest. 26 KI-gestützte Kameras sollen hier rechtzeitig gefährliche Ansammlungen von Menschenmassen erkennen lassen, es gibt erstmals eine Koordinierungsstelle für die Kommunikation zwischen Sicherheitskräften und Stadt direkt auf dem Festgelände.

Das Wirtschaftsreferat der Stadt habe ein überarbeitetes Konzept vorgelegt, sagte Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller. Das Sicherheitskonzept sei «generalüberholt». Kaum an einem Ort auf der Welt sei so viel Polizei und Sicherheitspersonal zu finden wie auf der Wiesn. Es gebe ein Eskalationskonzept, das stufenweise gezündet werden könne. 

«Jeder Winkel des Festgeländes videoüberwacht»

Etwa 600 Polizeibeamte sind wie jedes Jahr rund um das Fest im Einsatz. Die Wiesnwache wird unterstützt von der Bayerischen Bereitschaftspolizei, spezialisierten Taschendieb-Fahndern und internationalen Einsatzkräften. «Wir bekommen Unterstützung aus acht Ländern», kündigte der Münchner Polizeivizepräsident Christian Huber an.

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Neben den KI-Kameras gibt es 56 polizeiliche Videokameras auf dem Gelände. «Es soll sich jeder bewusst sein, dass jeder Winkel des Festgeländes videoüberwacht ist», sagte Huber. Beamte tragen zudem Bodycams.

Bis zu 1600 Ordner 

240 Beschäftigte des KVR sind laut Sammüller im Einsatz. Zudem seien «immer 1200 bis 1600 Ordnerinnen und Ordner auf dem Festgelände unterwegs». Sie werden auch an den Eingängen kontrollieren, unter anderem mit Metalldetektoren. Gefährliche Gegenstände wie Schraubenzieher sind seit langem verboten. Messer sind dieses Jahr auch schon in einer Messerverbotszone rund um das Festgelände untersagt.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann versprach zum Start des Oktoberfests trotz abstrakter Gefahren «bestmögliche Sicherheit» für Besucher. «Aufgrund der großen Bedeutung und der internationalen Bekanntheit des Oktoberfests gehen wir von einer erhöhten abstrakten Gefährdungslage aus», sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. «Uns liegen derzeit aber keine konkreten Erkenntnisse über Gefährdungen oder Störungen vor.»

Drohnen im Blick

Schon bisher seien Drohnen jedes Jahr ein Thema auf der Wiesn gewesen, sagte Huber. Seit Jahren herrscht rund um und über dem Festgelände ein absolutes Flugverbot. Man sei aber auch mit Blick auf die jüngsten Vorfälle gut vorbereitet. Es gebe dabei Unterstützung vom neuen Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum: «Nach einer Einschätzung sind wir gut aufgestellt.»

Rund um das Gelände gibt es drei Sperrringe, der Autoverkehr ist hier verboten. Betonkübel mit Blumen auf den für Autos gesperrten Zufahrtsstraßen sollen Attacken verhindern. Direkt am Gelände gibt es versenkbare Poller.

Es gebe keine 100-prozentige Sicherheit, unterstrich Huber. Die Polizei werde aber alles daran setzen, so nah wie möglich an die 100 Prozent zu kommen.

Sicherheit für Frauen und Mädchen

Mädchen und Frauen, die sich belästigt fühlten, sollten sich an Sicherheitskräfte wenden oder notfalls die Nummer 110 wählen: «Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.»

Für Notfälle, Bedrohungen oder sexuelle Übergriffe unterstützen viele Zelte die «SafeNow»-App, mit der per Klick das Sicherheitspersonal gerufen werden kann.

In einem neuen gemeinsamen Raum soll der Koordinierungskreis für Sicherheit auf dem Oktoberfest sorgen. Foto: Lukas Barth-Tuttas/dpa
In einem neuen gemeinsamen Raum soll der Koordinierungskreis für Sicherheit auf dem Oktoberfest sorgen.

Die Koordinierungsstelle, die erstmals vor allem die Kommunikation und den Informationsfluss zwischen Sicherheitsbehörden und Stadt verbessern soll, hat ihren Platz direkt auf dem Festgelände. «Crowdmanagement und Besucherlenkung» werden verbessert. Das Thema Sicherheit sei für das Oktoberfest das wichtigste, hatte der Münchner Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) bereits vor einiger Zeit unterstrichen.

Mehr Sicherheit durch mehr Blasmusik

Wie die Stadt bereits mitgeteilt hat, soll bei dem Ziel, die Wiesn sicherer zu machen, auch die Blasmusik eine Rolle spielen. Um den Besuch der Wiesn auch unter der Woche für internationale Gäste attraktiver zu machen, soll die Musik in den Zelten eine Stunde früher beginnen dürfen.

Ziel ist «die Verlagerung der Besuchszeiten der internationalen Gäste auf die Wochentage», wie es in einer Änderung der Betriebsvorschriften für die Wiesn 2026 heißt. Damit soll verhindert werden, dass es vor allem an Wochenenden wieder zu Überfüllungen kommt. Es soll allerdings «keine aufheizende Musik» geben, wie Scharpf betonte. Die gibt es dann erst abends.

Im vergangenen Jahr war das Fest womöglich knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Am zweiten Wiesn-Samstag, dem sogenannten Italiener-Samstag mit vielen Gästen aus dem Ausland, wurde es vor den Festzelten so voll, dass es für Tausende Besucher weder vor- noch zurückging. Durchsagen, das Festgelände werde aus Sicherheitsgründen geschlossen, nannten zunächst keinen Grund - was zusätzlich Angst unter den Festgästen schürte.

«O'zapft is» mit neuem OB

Das 191. Münchner Oktoberfest, das als größtes Volksfest der Welt gilt, startet in diesem Jahr am 19. September. Für das berühmte «O'zapft is» ist dann erstmals der neue Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) zuständig, der den langjährigen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) an der Stadtspitze abgelöst hat.