Anlagebetrug

Knapp 10.000 Rufnummern von Cyberkriminellen abgeschaltet

Mit internationalen Partnern gehen Ermittler aus Baden-Württemberg und Deutschland gegen betrügerische Anrufe und manipulierte Handelsplattformen vor. Welche Maßnahmen wurden ergriffen?

Wenn man die Adresse der beschlagnahmten Internetseiten eingibt, erscheint ein Sicherstellungsbanner der Behörden. (Archivbild) Foto: Leonie Asendorpf/dpa
Wenn man die Adresse der beschlagnahmten Internetseiten eingibt, erscheint ein Sicherstellungsbanner der Behörden. (Archivbild)

Karlsruhe (dpa) - Im Kampf gegen internationalen Cyber-Anlagebetrug haben Fahnder in den vergangenen drei Monaten fast 10.000 von Cyber-Kriminellen genutzte Rufnummern abgeschaltet. Damit sei die Infrastruktur der mutmaßlichen Täter erheblich geschwächt worden, heißt es in einer Mitteilung.

Das bei der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe eingerichtete Cybercrime-Zentrum (CCZ) und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg (LKA) haben dafür mit dem Bundeskriminalamt (BKA), der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) sowie der Bundesnetzagentur (BNetzA) und dem österreichischen Bundeskriminalamt zusammengearbeitet.

Teil einer großen Strategie gegen Betrug

Das Ganze steht den Angaben nach im Zusammenhang der «Operation Herakles», die Teil einer großangelegten Anti-Betrugs-Strategie ist. Seit Beginn dieser Operation seien 13.888 Rufnummern abgeschaltet worden, davon 13.397 deutsche und 491 österreichische. 

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Die Betrugsmasche, um die es geht, heißt «Cybertrading-Fraud». Sie hat sich den Angaben nach in den vergangenen Jahren zu einem Massenphänomen entwickelt. Gutgläubige Kundinnen und Kunden sollen im Vertrauen auf eine lukrative Anlagemöglichkeit teils hohe Geldsummen auf betrügerischen Internetplattformen investieren. Die Betreiber haben aber keine Erlaubnis der Bafin für Finanz- oder Wertpapierdienstleistungen und Bankgeschäfte.

Flankierend rufen sogenannte Broker aus Callcentern im Ausland die Opfer an und animieren sie dazu, mehr Geld zu investieren. Das wirke insgesamt oftmals so professionell, dass Geschädigte über Monate hinweg nicht merken, dass sie betrogen werden. Das Geld sei aber meist komplett verloren.

Die bislang unbekannten Täter handeln früheren Angaben zufolge international und arbeitsteilig. Das Vorgehen bezeichneten die Behörden als «Crime as a Service», also kriminelle Dienstleistungen. «Tatsächlich werden die eingezahlten Gelder zu keinem Zeitpunkt einer Kapitalanlage zugeführt», warnten sie.

Telekommunikationsunternehmen zu mehr Kontrollen verpflichtet 

Die Bundesnetzagentur habe aufsichtsrechtliche Maßnahmen gegen die verantwortlichen Telekommunikationsunternehmen ergriffen, heißt es in der Mitteilung. «Ziel war es, die missbräuchliche Registrierung und Nutzung von Rufnummern durch Täter zu verhindern.» Die Unternehmen seien aufgefordert worden, Rufnummern abzuschalten und ihre Registrierungsprozesse anzupassen. Zudem seien sie verpflichtet worden, Compliance-Kontrollen ihrer Vertriebspartner und Händler zu verstärken und diese einer eingehenderen Überprüfung zu unterziehen, um weiterem Missbrauch vorzubeugen.

In Zusammenarbeit mit der europäischen Polizeibehörde Europol und Strafverfolgungsbehörden in anderen Ländern hatten die Cybercrime-Fachleute aus Baden-Württemberg in den vergangenen Monaten auch weit über 2.000 illegale Domains vom Netz genommen worden. Über diese hatten die Täter versucht, Verbraucherinnen und Verbraucher zu täuschen und zu vermeintlichen Investitionen auf manipulierten Handelsplattformen zu verleiten.

Die beschlagnahmten Domains leiten die Cyber-Ermittler auf eine vom LKA gehostete sogenannte Beschlagnahmeseite um: Wer dann die Internetadresse aufruft, bekommt einen entsprechenden Hinweis der Behörden.