Popstar mit neuem Album

Ariana Grande und die Schattenseiten des Ruhms

Zuletzt hat man Ariana Grande eher mit «Wicked» im Kino als auf der Bühne gesehen. Mitten in einer laufenden Tour bringt sie nun ihr neues Album heraus – und setzt sich neue Grenzen als Popstar.

Ariana Grande veröffentlicht ihr neues Album «petal». (Archivbild) Foto: Scott A Garfitt/Invision/dpa
Ariana Grande veröffentlicht ihr neues Album «petal». (Archivbild)

Berlin (dpa) - Ihr neues Album «petal» erscheint erst jetzt, da steht Ariana Grande trotzdem schon auf der Bühne. Allerdings spielt sie vor allem Songs von ihrer 2024 erschienenen Platte «Eternal Sunshine». Dass so viel Zeit zwischen der Veröffentlichung eines Albums und der dazugehörigen Tour vergeht, ist ungewöhnlich für einen Popstar. Bei Grande ist der Abstand jedoch naheliegend – und erzählt zugleich viel über ihre aktuelle Karrierephase.

Denn die 33-Jährige («No Tears Left to Cry», «One Last Time») ist in den vergangenen beiden Jahren besonders durch ihre Traumrolle als gute Hexe Glinda im zweiteiligen Musicalfilm «Wicked» in Erinnerung geblieben. Dafür wurde sie sogar für einen Oscar nominiert. Doch die aufwendigen Dreharbeiten der beiden Blockbuster und die Promo-Tour an der Seite von Co-Star Cynthia Erivo kosteten viel Zeit.

Viel beschäftigt mit «Wicked»

Auch deshalb geht Grande, die für ihre glasklare und zugleich kraftvolle Stimme bekannt ist, erst jetzt mit «Eternal Sunshine» auf Tour. Es gibt aber noch einen anderen Grund, der für eine persönliche Weiterentwicklung der zierlichen Sängerin stehen könnte, wenn nun ihr achtes Studioalbum «petal» erscheint. 

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In den vergangenen zwei Jahren war Grande mit Co-Star Cynthia Erivo stark in die Dreharbeiten und PR zum Zweiteiler «Wicked» involviert. (Archivbild) Foto: Millie Turner/Invision/dpa
In den vergangenen zwei Jahren war Grande mit Co-Star Cynthia Erivo stark in die Dreharbeiten und PR zum Zweiteiler «Wicked» involviert. (Archivbild)

Grande gehört zu jenen Popstars, die schon seit den Teenagerjahren im Rampenlicht stehen und deren Leben fernab der Musik öffentlich kommentiert wird. Eine Aufmerksamkeit, unter der die Sängerin auch leidet. Nichts bereite einen darauf vor, was mit dem Ruhm einhergehe, sagte sie 2025 der «New York Times». «Bis vor kurzem fiel es mir wirklich schwer, damit umzugehen, und ich glaube, es hat mir viel Freude daran genommen.»

Wie Grande auf Kommentare über ihren Körper reagiert

Boulevardmedien verfolgen - wie bei anderen Prominenten - die Beziehungen der Sängerin. Kürzlich sorgten etwa Berichte über die Trennung von ihrem «Wicked»-Kollegen Ethan Slater und Gerüchte um ein Liebes-Comeback mit ihrem Ex-Freund Ricky Alvarez für Gesprächsstoff. Doch dabei bleibt es nicht.

Immer wieder wird öffentlich über Grandes Körper diskutiert. Zuletzt lösten Fotos und Konzertvideos wieder Debatten über die körperliche Veränderung der Sängerin aus. Viele Fans diskutieren über einen augenscheinlichen Gewichtsverlust. 

Schon in einem TikTok-Video 2023 forderte Grande ihre Follower auf, einfühlsamer mit dem Aussehen anderer Menschen umzugehen. Man wisse nie, was jemand gerade durchmache, deshalb solle man sich mit Kommentaren zurückhalten, auch wenn diese vielleicht liebevoll gemeint seien. Gerade die Künstlerin, die durch Serien und Filme im US-Kinderkanal Nickelodeon bekannt wurde, hat in ihrer Karriere viel durchstehen müssen. 

Bei einem Terroranschlag auf ihr Konzert in Manchester im Jahr 2017 starben 22 Menschen. Nur ein Jahr später wurde ihr früherer Freund, der Rapper Mac Miller, tot in seinem Haus aufgefunden. Trotz der privat sehr schwierigen Phase brachte Grande neue Alben heraus, ging 2019 noch einmal auf Tour mit ihrem viel gelobten Album «Sweetener». 

Grande will Preis des Popstar-Daseins neu verhandeln

Nun wirkt es so, als wolle die 33-Jährige den Preis des Popstar-Daseins neu verhandeln. Mit den «Eternal Sunshine»-Konzerten spielt sie die erste Tour seit «Sweetener» vor sieben Jahren. Danach hatte sie sich zwar nicht aus der Kunst zurückgezogen, wohl aber aus dem Live-Geschäft und sich Projekten wie eben «Wicked» gewidmet. 

Ihre aktuelle Rückkehr auf die Bühne fällt bewusster und dosierter aus. Die Sängerin selbst erzählte in einem Gespräch mit Nicole Kidman im «Interview»-Magazin, dass sie nur rund halb so viele Konzerte im Vergleich zu früheren Touren spielt. Sie habe in den vergangenen Jahren ihr Verhältnis zur Musik und zum Touren «geheilt».

«Ich muss das, was ich liebe, nicht aufgeben»

Grande führte aus, dass sie viel Zeit damit verbracht habe, ihre Herangehensweise an das Musikmachen neu zu ordnen. Die Zeit abseits von Tourneen habe ihr geholfen, bestimmte Teile davon für sich zurückzugewinnen. Zugleich habe sie Gefühle, die mit ihrer Beziehung zum Ruhm und dem Leben als Künstlerin verbunden seien, von der Musik trennen können.

«Ich muss das, was ich liebe, nicht aufgeben. Ich kann diese Dinge einfach hier beiseitelegen und meine Talente nicht aus den Augen verlieren», sagte sie. Die Schauspielerei und ihre Zeit als Glinda hätten ihr geholfen, die Kraft dafür aufzubauen. Musik und Tourneen seien für sie früher auch mit traumatischen Erfahrungen verbunden gewesen. Nun spüre sie, wie diese Belastungen nachließen.

Klar ist: Von der Leinwand wird Grande so bald nicht verschwinden. In der Komödien-Fortsetzung «Meine Frau, unsere Schwiegertochter und ich» soll sie Ende des Jahres an der Seite von Robert De Niro und Ben Stiller zu sehen sein. 

Und auch das fünfminütige Musikvideo zu «hate that i made you love me», der ersten und bislang einzigen Auskopplung ihres neuen Albums, ist wie ein Kurzfilm inszeniert. Den emotionalen und eingängigen Song spielt Grande bereits auf ihrer laufenden Tour. Was ist also von «petal» (deutsch: «Blütenblatt») zu erwarten? 

Vor der Veröffentlichung wurde wenig über das Album bekannt. Grande beschrieb es in einem Instagram-Video als «etwas ungezähmt». Es gehe um etwas, das «voller Leben ist und durch die Risse von etwas Kaltem, Hartem und Herausforderndem wächst». Es komme definitiv von einem Ort, für den sie vorher vielleicht zu schüchtern oder zu höflich gewesen sei, um ihn zu betreten. «Jetzt fühlt es sich einfach an wie: Scheiß drauf.»