KI-Streit um Bestseller: Verlag trennt sich von Autor
Sein Roman ist ein Verkaufserfolg, doch der Vorwurf, künstliche Intelligenz eingesetzt zu haben, kostet Thélyson Orélien den Verlag. Der Autor beteuert, die KI nur für Recherchen genutzt zu haben.
Montréal (dpa) - Der Schriftsteller Thélyson Orélien verliert seinen kanadischen Verlag wegen des Vorwurfs, beim Schreiben seines Romans künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt zu haben. Die Éditions du Boréal kündigten auf ihrer Verlagsseite an, die Zusammenarbeit mit dem kanadisch-haitianischen Autor zu beenden. Das Buch «C'était ça ou mourir» (etwa: Das oder sterben) werde nicht nachgedruckt, weitere Werke Oréliens werde der Verlag nicht veröffentlichen.
Nach Angaben des kanadischen Verlags haben neue Erkenntnisse den Verdacht erhärtet, dass KI am Schreibprozess des Romans beteiligt war. Eine Untersuchung von Arbeitsfassungen habe KI-bezogene Hinweise in den Metadaten einiger Dokumente ergeben. Orélien habe zuvor wiederholt versichert, bei der literarischen Ausarbeitung des Buches keine KI verwendet zu haben.
Unklarheit über das genaue Ausmaß
Allerdings räumte der Verlag ein, dass das tatsächliche Ausmaß des KI-Einsatzes ungeklärt sei. «Wir wissen nach wie vor nicht, in welchem Umfang KI bei der Entstehung von "C'était ça ou mourir" eingesetzt wurde, und vermutlich werden wir diesbezüglich niemals eine endgültige Antwort erhalten», heißt es in der Mitteilung. Das Buch handelt von Flucht, Migration und Überleben.
Orélien hatte gegenüber der französischen Zeitung «Libération» erklärt, KI ausschließlich für Recherchen genutzt zu haben. Der 38-Jährige betonte, dass er den Roman selbst geschrieben habe. Die Geschichte sei seine eigene und die vieler Haitianer, sagte er. Er räumte ein, KI im Rahmen seiner Recherchen, etwa für historische Nachforschungen und Übersetzungen, eingesetzt zu haben.
Bestseller trotz Kontroverse
Inzwischen habe er jedoch das Gefühl, dass seine Aussagen kein Gewicht mehr hätten. Er äußerte außerdem die Befürchtung, dass sich in Kanada die Auseinandersetzung zunehmend gegen seine Person richten könnte.
Trotz der Kontroverse gehört der Roman in Frankreich und Kanada derzeit zu den meistverkauften Büchern. Zwar wurde er von der Liste für den renommierten französischen Prix Goncourt gestrichen, für den Prix Renaudot im November ist er aber weiterhin im Rennen.