Zwölftes Album der US-Rocker

Neues von den Foo Fighters: Angst, Frust, Rock 'n' Roll

Auf dem neuen Album der Foo Fighters reflektiert Dave Grohl und moniert eine Rückentwicklung der Menschheit. Im Interview berichtet der Frontmann von Angst, Frust und der einenden Kraft der Musik.

Das Album klingt, als würde die Band aus Seattle richtig Dampf ablassen. (Handout) Foto: Elizabeth Miranda/Sony/dpa
Das Album klingt, als würde die Band aus Seattle richtig Dampf ablassen. (Handout)

London (dpa) -   Dave Grohl ist bestens gelaunt. Man sieht ihm kaum an, dass er am Vorabend ein schweißtreibendes, energieraubendes Clubkonzert mit seiner Band gegeben hat. Im traditionsreichen Shepherd's Bush Empire im Westen von London spielten die Foo Fighters vor begeisterten Fans sogar 15 Minuten länger, als es die Sperrstunde eigentlich erlaubt. 

«Es ist das beste Gefühl», schwärmt Grohl im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. Zwischen zahlreichen PR-Terminen gaben die US-Rocker gleich eine Handvoll intimer Gigs auf der Insel. Im Sommer kommen sie für eine Stadiontournee zurück und treten auch in München (17. Juni) und Berlin (1. Juli) auf. 

«Es gibt nichts Besseres, als diese Energie und Freude mit Menschen zu teilen. Es ist großartig», sagt der 57-Jährige, der auf der Bühne jedes Mal zum furiosen Antreiber wird. «Es ist so, als würdest du in einen See geworfen werden – und der einzige Weg ans Ufer ist, dass du schwimmen musst.» 

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Bühnenenergie im Studio 

Die unbändige, wilde Energie eines Konzerts im Studio einzufangen, ist für jede Rockgruppe eine Herausforderung. Legendäre Bands wie Thin Lizzy oder Kiss erlangten erst durch Live-Alben ihren Kultstatus. 

Die Foo Fighters lassen auf ihrem neuen Werk «Your Favourite Toy» von Anfang an wenig Zweifel daran, dass ihnen das gelingt. Mit einem Stakkato-artigen Gitarrenriff und übersteuertem, aggressivem Gesang beginnt «Caught In The Echo», der furiose Eröffnungstrack ihres zwölften Studioalbums. 

Wütend geht es weiter mit «Of All People». Es geht um einen einstigen Drogendealer, den Grohl nach vielen Jahren zufällig wieder traf - und dabei gleichzeitig Freude und Wut empfand, weil so viele Bekannte in Folge von Drogenmissbrauch starben. Es geht um Schuldgefühle von Überlebenden. «Du weißt, dass du tot sein müsstest», singt, nein schimpft er. «Wie kannst du glücklich weiterleben?» 

Selbstreflexion und Angst 

Es klingt, als würde die Band aus Seattle richtig Dampf ablassen. Ist es ein wütendes Album? Grohl winkt ab. «Ich denke, es ist eher introspektiv», sagt er. «Aber in dieser Selbstreflexion steckt auch eine gewisse Angst. Es ist also eher unruhig, vielleicht rastlos.» 

Explizit politisch sind die Foo Fighters zwar nicht. Aber die Botschaft im Song «Amen Cavemen» ist eindeutig. «Es ist so enttäuschend, dass wir als Menschen wieder in so ein Höhlenmenschen-Verhalten zurückfallen können», sagt Grohl. «Manchmal denke ich: Echt? Sind wir schon wieder dort? Dabei sah es aus, als hätten wir große Fortschritte gemacht. Darin steckt also Frustration, auch Wut. Aber der Rest ist eher die Angst des Lebens, die Unsicherheit. Zum Glück gibt es Musik, um so etwas zu verarbeiten und auszudrücken.» 

Einer der besten neuen Songs ist «Child Actor». Es geht um Kinderstars und darum, welchen Einfluss die frühe Karriere auf ihr weiteres Leben hat - und generell um Bestätigung, die man von außen erfährt oder erwartet. «Bin ich gut genug? War das gut genug? Es gibt Menschen, die sich wirklich in dieser Denkweise verfangen.» 

Im Bereich der Kinderdarsteller gebe es nicht immer ein Happy End. «Weil deine prägenden Jahre davon abhängen, dass andere Menschen dir Bestätigung geben», meint Grohl. «Deshalb ist es am besten, einfach die Kameras auszuschalten und die Person zu sein, die du wirklich bist.» 

Schlagzeuger-Tausch mit Nine Inch Nails 

«My Favourite Toy» ist das erste Album mit Ilan Rubin am Schlagzeug, der zuvor für Nine Inch Nails trommelte. Nach dem Tod des langjährigen Drummers Taylor Hawkins hatten die Foo Fighters zunächst Josh Freese verpflichtet. Doch offenbar passte es menschlich nicht. Nähere Details zur Trennung wurden nicht genannt. Kurioserweise wechselte Freese zu den Nine Inch Nails. 

Ob es mit Rubin auch langfristig klappt, wird die Zeit zeigen. Mit seinem wuchtigen Schlagzeugspiel passt der 37-Jährige jedenfalls perfekt zur Band und verleiht den neuen Songs den nötigen Druck. Auch live überzeugte er bei den bisherigen Konzerten. 

Neue Musik fürs Stadion 

Beim Auftritt in London spielten die Foo Fighters 22 Songs, aber nur einen von «Your Favourite Toy» - den gleichnamigen Titelsong. Bei den kommenden Shows in München oder Berlin wird das garantiert anders werden. Denn auf dem neuen Album sind wieder zahlreiche Kracher, die wie gemacht sind für mitreißende Stadionkonzerte. 

Dave Grohl glaubt, dass Musik auch in diesen Zeiten eine einende Kraft hat. «Der Grund, warum Musik so viele unterschiedliche Menschen erreicht, ist, dass sie auf ganz verschiedene Weise eine Verbindung dazu entwickeln», sagt er. «Und wenn dann 80.000 Menschen "My Hero" im Chor singen, dann ist es egal, wo sie ihre Differenzen haben, in diesem einen Augenblick sind sie alle durch genau diese eine Sache miteinander verbunden.»