Literatur und Verbrechen

Prix Goncourt für Roman über Pariser Cold Case

Ein Mord, ein schönes Künstlermodell und ein ungelöster Fall aus dem Paris der Nachkriegszeit: 77 Jahre später gewinnt Philippe Jaenada mit dem Fall den wichtigsten Literaturpreis Frankreichs.

In seinem rund 530 Seiten starken Roman rekonstruiert Philippe Jaenada 77 Jahre später den Mord an einem der gefragtesten Modelle der Künstler im Pariser Viertel Montparnasse. Foto: Teresa Suarez/AP/dpa
In seinem rund 530 Seiten starken Roman rekonstruiert Philippe Jaenada 77 Jahre später den Mord an einem der gefragtesten Modelle der Künstler im Pariser Viertel Montparnasse.

Paris (dpa) - Der französische Schriftsteller Philippe Jaenada hat den renommierten Prix Goncourt 2026 gewonnen. Der 62-Jährige wurde für seinen Roman «L'Inconnue du quai de Javel» (etwa: Die Unbekannte vom Quai de Javel) ausgezeichnet, wie die Jury in Paris bekanntgab. Der Autor beschäftigt sich seit über zehn Jahren vor allem mit historischen Kriminalfällen.

In dem rund 530 Seiten starken Roman nimmt Jaenada einen ungeklärten Mordfall aus dem Jahr 1949 in Paris in den Blick. Im Mittelpunkt steht Louise Cansot, die eines der gefragtesten Modelle der Künstler im Viertel Montparnasse war.

Auf dem deutschen Buchmarkt ist Jaenada bislang kaum präsent; seine Romane sind hier bisher nicht in größerem Umfang in Übersetzungen erschienen.

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Akribische Recherche und Humor

Jaenada stützt sich bei der Rekonstruktion des Falls auf Gerichtsakten, historische Archive und Recherchen an den Schauplätzen. Seine Bücher verbinden akribische Recherche mit Humor, Abschweifungen und einem besonderen Gespür für die Figuren.

Der Prix Goncourt gilt als bedeutendste literarische Auszeichnung Frankreichs. Er ist zwar nur mit einem symbolischen Preisgeld von zehn Euro dotiert, sorgt aber traditionell für einen erheblichen Anstieg der Buchverkäufe und internationale Aufmerksamkeit.

Die diesjährige Preisvergabe war von einer Debatte über künstliche Intelligenz in der Literatur überschattet. Wegen des Verdachts auf KI-Einsatz hat die Jury den kanadisch-haitianischen Schriftsteller Thélyson Orélien und dessen Roman «C'était ça ou mourir» aus der Goncourt-Auswahl genommen. Das Buch über Exil und Migration soll im Juni 2027 in Deutschland unter dem Titel «Es war das oder sterben» erscheinen.