Neue Staffel der Gangsterserie

Sylvester Stallone in «Tulsa King»: «Man wird kalt erwischt»

Nicht Rocky, nicht Rambo: Am meisten von sich selbst steckt für Sylvester Stallone im Mafioso Dwight Manfredi. Zum Start der neuen «Tulsa King»-Staffel erzählt der 80-Jährige, was die Figur ausmacht.

. Die vierte Staffel läuft ab jetzt beim Streamingdienst Paramount+. Foto: Steve Swisher/Paramount+/dpa
. Die vierte Staffel läuft ab jetzt beim Streamingdienst Paramount+.

London (dpa) - Boxer, Elitesoldat, Actionheld: Sylvester Stallone hat in seiner Karriere viele Kultfiguren gespielt. Doch keine seiner Figuren ist ihm selbst so ähnlich wie der Mafioso Dwight Manfredi in der Serie «Tulsa King». «Das ist mit Abstand die Rolle, in der am meisten von mir steckt», sagt der 80-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in London. Die vierte Staffel läuft ab jetzt beim Streamingdienst Paramount+. Neue Folgen gibt es wöchentlich.

«Ich bin nicht Rocky. Ich bin nicht Rambo. Das ist eine ganz andere Persönlichkeit», sagt Stallone mit Blick auf zwei seiner berühmtesten Rollen. Bei Manfredi sei die Sache anders. «Ich dachte: Wow, in diesem Alter habe ich noch nie meine eigene Persönlichkeit, mein eigenes Tempo in eine Rolle gelegt - einfach alles. Und jetzt habe ich endlich die Gelegenheit dazu.»

Ein Gangster mit Herz

Was den Gangster aus Stallones Sicht besonders macht: «Die meisten Gangster sind sehr finster und düster. Dieser Typ nicht, er mag Menschen. Die meisten Gangster tun das nicht.» Dass die Zuschauer trotz allem auf Manfredis Seite sind, erklärt Stallone so: «Weil er höflich ist und Menschen, die im Grunde Außenseiter sind, in seine Familie aufnimmt. Er macht ihr Leben interessanter.» Manfredi könne zwar sehr brutal sein, aber zugleich witzig. «Und ich glaube, das ist das Publikum nicht gewohnt.»

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Nach 25 Jahren im Gefängnis muss Manfredi feststellen, dass sich die Zeiten geändert haben und seine Loyalität den neuen Bossen nichts bedeutet. Sie schieben ihn nach Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma ab. Dort baut er sich mit einer Truppe von Außenseitern ein eigenes kriminelles Imperium auf und legt sich mit Rivalen und alten Weggefährten an.

Die verletzliche Seite

In der neuen Staffel versucht der charmante Gangster, seine Geschäfte auf legale Beine zu stellen. Doch korrupte Politiker und gefährliche neue Feinde machen ihm das Leben schwer. Zudem muss er einen schweren persönlichen Verlust verkraften. Je mehr er kämpft, desto mehr verfällt er wieder in die alten Instinkte aus seiner Zeit auf den Straßen New Yorks.

Stallone war es wichtig, diesmal auch die verletzliche Seite von Manfredi zu zeigen. «Er war an einem Punkt, an dem alles nach seinem Willen lief. Niemand konnte ihn bezwingen», sagt er. «Und jetzt passiert, wie im echten Leben, plötzlich das Schlimmste, wenn man es nicht erwartet. Man wird kalt erwischt und ist erschüttert - bis ins Mark. Das wollte ich zeigen.»

Tochter Scarlet gibt ihrem Vater Ratschläge

Neben Stallone sind unter anderem wieder Frank Grillo, Dana Delany und Garrett Hedlund dabei. Neu im Ensemble ist Gretchen Mol («Boardwalk Empire»). Sie spielt die Politikerin Amanda Clark.

Auch Stallones Tochter Scarlet Rose steht als ehemalige Pferdepflegerin und nun Barkeeperin Spencer wieder mit ihm vor der Kamera. Und die 24-Jährige scheut sich nicht, ihrem erfahrenen Vater Anregungen zu geben. «Meine Tochter macht mir ständig Vorschläge - nennen wir es mal so», sagt Stallone und lacht. «Wenn ich ihr welche mache, heißt es: "Hey, ich weiß, ich weiß, ich weiß!" Sie will also keine Ratschläge von ihrem Vater. Aber sie wird wirklich gut.»

Lange unterschätzt

Sylvester Stallone wurde - wie viele seiner Filmfiguren - lange unterschätzt. «Zu 100 Prozent», sagt er. Denn viele sahen in ihm nur den Actionstar, nicht den Schauspieler, Regisseur und Autor, der als weitgehend unbekannter Darsteller im Alleingang das Oscar-nominierte Drehbuch für den dreifach Oscar-prämierten Film «Rocky» schrieb.

Wie es dazu kam, erzählt er in seinen gerade veröffentlichten Memoiren «The Steps». Das Buch spannt den Bogen von seiner Ankunft in New York 1969 bis zum Oscar-Triumph von «Rocky» 1977.

«Es gibt dieses Klischee, dass man dumm sein muss, wenn man Muskeln hat», sagt der 80-Jährige. «Das stimmt aber nicht unbedingt. Und das verschwindet so langsam.» Auch in Filmen wie «Cop Land», «Rocky Balboa» und «Creed» zeigte Stallone seine schauspielerische Bandbreite. In «Tulsa King» hat der Hollywood-Veteran nun besonders viel Raum dafür.

Spin-off mit Samuel L. Jackson

Der Erfolg der von Taylor Sheridan («Yellowstone», «Landman») erfundenen Serie zieht Kreise. Bereits abgedreht ist das erste Spin-off «Frisco King» mit Samuel L. Jackson, der seine Figur Russell Lee Washington Jr. in der dritten Staffel von «Tulsa King» eingeführt hat. Ein Starttermin steht noch nicht fest.

Aber auch «Tulsa King» geht weiter. Paramount+ hat bereits eine fünfte Staffel in Auftrag gegeben. Die Dreharbeiten laufen schon, nicht mehr in Atlanta, sondern in New York, der Heimat von Dwight Manfredi.

«Was mir passiert ist, ist ein Wunder»

Dass er mit 80 die Hauptrolle in einer Erfolgsserie spielt, genießt Sylvester Stallone sichtlich. Als junger Mann hätte er sich eine solche Karriere nicht vorstellen können. Er habe auch viel Glück gehabt. «Man muss die Arbeit reinstecken, aber man kann alles geben und trotzdem keinen Erfolg haben», sagt er. «Was mir passiert ist, ist ein Wunder. So etwas wäre heute nicht mehr möglich.»