«Das Böse in dir»

«Tatort»: Ein Dorf voller Hass und Geheimnisse

Ein Dorf wie ein Pulverfass, alte Feindschaften und viele Geheimnisse: Der neue SR-«Tatort» geht in die Tiefe - und stellt aus dem Viererteam erstmals Kommissarin Esther Baumann in den Mittelpunkt.

Die Kollegen von Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer, 2.v.l.) haben genug damit zu tun, sich auf die besondere Atmosphäre im Dorf und ihre besonderen Bewohner einzulassen. (Handout) Foto: Manuela Meyer/SR-Kommunikation/dpa
Die Kollegen von Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer, 2.v.l.) haben genug damit zu tun, sich auf die besondere Atmosphäre im Dorf und ihre besonderen Bewohner einzulassen. (Handout)

Saarbrücken (dpa) - Es gibt die einen, die mögen lieber den klassischen «Whodunit»-Krimi. Sie haben Spaß am Miträtseln, wer der Täter war. Und es gibt die anderen, die bevorzugen es eher psychologisch: Die genießen es, wenn die Spannung aus inneren Konflikten entsteht. Die «Privates» erfahren wollen - am besten nicht nur von den Verdächtigen, sondern auch den Kommissaren. Für diese Gruppe ist der neue SR-Tatort wie gemacht. Schon der Titel «Das Böse in Dir» (heute, 20.15 Uhr, Das Erste) lässt erahnen: Es geht in die Tiefe.

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Die Story spielt in einem (fiktiven) Dorf namens Hohenweiler an der französischen Grenze, wo der Unternehmer Emil Feidt ermordet aufgefunden wird. Es ist der Heimatort von Hauptkommissarin Esther Baumann (Brigitte Urhausen), den sie vor 30 Jahren verlassen hat. Warum eigentlich? Weil hier purer Hass herrscht zwischen zwei Familien? Weil man hier - wie sie selbst rät - am besten immer darauf achtet, dass man eine Wand im Rücken hat? Oder gab es familiäre Gründe?

Wie auch immer. Schließlich geht es ja erst einmal um die aktuellen Ermittlungen. Und da drängt sich schnell der Eindruck auf, der Mord an Emil Feidt könnte mit dem ungeklärten Tod seiner Tochter Becky zusammenhängen, die vor fünf Jahren im Fluss ertrank. Bis heute steht die Frage im Raum: War es damals wirklich ein Unfall? Oder hat Claire Louis, Beckys einstige beste Freundin, sie getötet?

Bis aufs Blut verfeindet

Kommissarin Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) scheidet als Ermittlerin vor Ort aus: Sie hat «Stubenarrest», muss das Büro hüten und hat offenbar psychisch einiges aufzuarbeiten. 

Die Kollegen Adam Schürk (Daniel Sträßer) und Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) haben derweil genug damit zu tun, sich auf die besondere Atmosphäre im Dorf und ihre besonderen Bewohner einzulassen. Zweifellos ein Pulverfass, das jeden Moment hochgehen kann, und in dem die Familien sprichwörtlich bis aufs Blut verfeindet sind. Schon eine neutrale Position zwischen beiden Seiten ist ungewöhnlich, eine Liebesbeziehung undenkbar. 

Auch Hauptkommissar Schürk hat da schnell den alten Streit zwischen den Familien Montague und Capulet im Kopf. Aber macht man es sich bei der Suche nach einem Täter zu einfach, wenn man immer nur «die anderen» im Blick hat? Oder gibt es hier gar eine moderne Romeo-und-Julia-Variante mit tragischem Ausgang?

Was hat Kommissarin Baumann bisher verschwiegen?

Vielschichtig, dramatisch, sensibel, mitunter auch überraschend und bedrückend ist es, was Daniela Baumgärtel und Kim Zimmermann geschrieben haben und was Regisseurin Luzie Loose einmal mehr packend umgesetzt hat. Schon 2022 hatte diese die Zuschauer mit ihrem SR-Tatort «Das Herz der Schlange» gefesselt.

Das Pulsrasen und atemlose Zuschauen wie im damaligen Thriller rund um Kommissar Schürk und seinen Vater bleibt bei diesem «Tatort» zwar aus - wohl auch wegen diverser Rückblicke. Für Spannung ist dennoch gesorgt: Nicht nur bei der Frage, wer nun der Täter war und was es mit dem Tod des Mädchens wirklich auf sich hatte, sondern auch, was eigentlich das persönliche Geheimnis von Kommissarin Esther Baumann ist. 

Leos augenzwinkernde Bemerkung am Anfang, «Jetzt wird mir einiges klar», enthält viel mehr Wahrheit als geahnt. Denn auch der Zuschauer, der einige der früheren sechs SR-«Tatorte» kennt, versteht irgendwann, warum Esther 30 Jahre nicht in ihrem Dorf war und heute so ist, wie sie ist: nicht nur mit Sinn für Gerechtigkeit, sondern eben manchmal auch sehr kühl und unzugänglich, mitunter gar Typ Spielverderberin. «Im Grunde ihres Herzens ist sie jedoch auch empathisch», sagt ihre Darstellerin Brigitte Urhausen. «Und sogar liebevoll, falls es jemandem gelingt, ihre harte Schale zu durchbrechen.»

Brigitte Urhausen: Die eigene Figur besser kennengelernt

Für die Schauspielerin bedeutet «Das Böse in dir» ein doppeltes Glück: «Als ich das Drehbuch bekam, habe ich mich total gefreut», gibt sie zu. Weil nach vielen Fällen rund um Leo und Adam und dem letzten Fall mit der Entführung ihrer Kollegin Pia endlich mal «ihre» Kommissarin im Mittelpunkt steht. «Dadurch habe ich sie selbst viel besser kennengelernt», sagt sie. Auch den Zuschauern wird das nicht anders gehen. Vorausgesetzt, sie lassen sich darauf ein und fragen sich bei diesem Krimi nicht nur: Wer war es? 

Denn die Botschaft von «Das Böse in dir» geht so viel tiefer - und ist trotz der shakespearehaften Anklänge aktueller denn je: Wohin führt ein Hass, der über Generationen weitergegeben wird? Und wie kann eine solche Hass-Spirale enden? Für Regisseurin Luzie Loose werden diese Fragen nicht nur in dem kleinen Dorf verhandelt, sondern derzeit an vielen Orten in der Welt. Ihre Hoffnung: «Gut, wenn man sich im Kleinen etwas anschauen und daraus Schlüsse ziehen kann für das große Ganze.»